Diskussionen, Selfies und Tänze – das war die COY12

coy12

Freitag, der 4. November 2016, am Campus der Cadi Ayyad Universität in Marrakesch. Eigentlich sollte hier bereits die Conference Of Youth, die Jugendklimakonferenz COY12, stattfinden. Das tut sie auch, aber so richtig funktioniert der Ablauf noch nicht.

Beim Einlass werden wir aufgeklärt, dass die Online-Registrierung nicht funktioniert hat, man freut sich aber, dass wir trotzdem da sind. Wir tragen uns in eine Liste ein, wer den Pass vergessen hat, gibt einfach die Matrikelnummer vom Studentenausweis an. Wie unkompliziert!
„Opening ceremony starts in five minutes“, ruft uns der Student vom Empfang noch grinsend nach. Na dann, nichts wie hin.

Aus einem der Hörsäle tönen Gitarre und Schlagzeug, eine junge Frau singt, während Junge und Junggebliebene in den Saal strömen und es sich auf den roten Samtstühlen gemütlich machen. Stimmen schwirren durcheinander, die TechnikerInnen kümmern sich um die letzten Vorkehrungen für den Live-Stream, das Organisationsteam diskutiert angeregt mit einem der Vortragenden.
„Mit der Pünktlichkeit scheinen sie es wohl nicht so zu haben“, denken wir, als die Zeremonie eine halbe Stunde später immer noch auf sich warten lässt.

Neue Freunde aus Marrakesh
Fotos: C. Peterseil

Unangenehm ist diese Verzögerung jedoch nicht, haben wir doch unsere erste Begegnung mit der marokkanischen Herzlichkeit und Gastfreundschaft. In der Reihe vor uns sitzt eine Studentin der Universität, die sich selbst für den Klimaschutz engagiert. Wo wir her sind, möchte sie wissen, wie es uns geht, und wie uns Marokko gefällt. Und ob wir zu ihrem Vortrag am Mittwoch auf der COP kommen können, das lohnt sich nämlich. Innerhalb weniger Minuten ist von Fremde keine Spur mehr, wir machen Selfies, tauschen Telefonnummern aus und sind froh, schon am ersten Tag AnsprechpartnerInnen und FreundInnen gefunden zu haben.

Die Liste der Ehrengäste ist hochrangig besetzt: Raul de Lutzenberger, Vorsitzender der Europäischen Delegation in Marrakesch begrüßte die TeilnehmerInnen, Timothy Damon, Klimaaktivist und Vertreter der Organisation YOUNGO fand nur freundliche Worte und auch der Repräsentant der afrikanischen Jugend, Akapadja Yaogan Amédodji, war voll des Lobes für das Engagement der Jugendlichen. Auf die doch eher trockenen Reden der Vortragenden folgt das Highlight des Abends:
A Lovesong To The Earth, gesungen von drei der Organisatorinnen. Die Stimmung ist positiv und zuversichtlich, in der Luft liegt der Gedanke: „Wir können etwas ändern – gemeinsam.“

Mit diesem Gedanken starten die TeilnehmerInnen in die Workshops und Vorträge am Tag 2.
Das Problem dabei? Das Programm ändert sich minütlich – das Gelände ist nicht ausreichend beschildert, manche Workshops finden nicht statt oder die Vortragenden verirren sich am Weg zu ihren Räumlichkeiten. Einen Vorteil hat das Ganze aber: Wir kommen mit den anderen ins Gespräch. Wir lernen Studentinnen der französischen Stadt Nantes kennen, finden Interviewpartner in der jungen NGO DMUN e.V. aus Deutschland, tauschen uns mit den Jugenddelegierten von La Réunion aus und lernen viele einheimische StudentInnen kennen. Mit vereinten Sprachkenntnissen und drei unterschiedlichen Programmen schaffen wir es schließlich doch zum jeweiligen Ziel. Dort erwarten uns namhafte Veranstalter, etwa die UNICEF, die einen Workshop zum Thema Digital Advocacy gibt: Wie bringt man Jugendliche im Internet dazu, an Klimapolitik zu partizipieren? Die Bandbreite der Themen reicht von Klimadiversität über Klimamigration bis hin zu Klima & Gender.

Musik und Entspannung unter den Olivenbäumen am Campus

Natürlich sind diese Aktivitäten anstrengend, weshalb sich die VeranstalterInnen Alternativprogramme überlegt haben, um die müden Geister wieder zu beleben: Am Campus finden regelmäßig Meditationen statt, Yoga wird angeboten, und viel Musik und Tanz. Besonders letzteres entwickelte in kürzester Zeit ein Eigenleben und immer wieder fanden sich im Schatten der Olivenbäume kleine Grüppchen rund um eine Gitarre oder Ukulele ein, die in diesem entspannten Rahmen ihre Mittagspause nützten.

Apropos Mittagspause. Die KlimaaktivistInnen sind wohl wenig produktiv, wenn sie am Verhungern sind, das ist auch den VeranstalterInnen klar. Deshalb wurden gratis Lunchpakete für alle TeilnehmerInnen organisiert. Leider gab es viel zu wenige vegetarische Lunchpakete, außerdem wurde das Mittagessen in übergroßen Kartonboxen geliefert und beinhaltete unter anderem Getränkedosen aus Aluminium. Wir konnten keine/n der OrganisatorInnen für ein Statement erreichen, vermuten aber, dass der Lunch gesponsert war, weshalb die Organisation nur wenig Mitsprache bei Form und Vielfalt des Angebots hatte. Hier zeigt sich ein Problem auf: Wenig Budget bedeutet, es ist umso schwieriger, eine Veranstaltung klimafreundlich zu organisieren.

Umweltfreundlich war die COY nicht

Was man der COY zugute halten muss ist, wie unkompliziert die Veranstaltung abgelaufen ist. Der Eintritt war frei, wenn jemand eine der Delegierten-Badges zuhause vergessen hatte, wurde er/sie trotzdem mit einem Augenzwinkern hineingelassen, außerdem gab es ein großes Team von Volunteers, die für Fragen jederzeit zur Verfügung standen und sehr bemüht waren, zu helfen.

Selbst wenn es organisatorisch viele Verbesserungsvorschläge gibt, eines steht fest:
Die Jugendklimakonferenz ist eine grandiose Veranstaltung, die von Jugendlichen auf die Beine gestellt und von Volunteers getragen wird. Sie bietet eine wichtige Plattform zur Vernetzung von Organisationen und Menschen aus aller Herren und Frauen Länder und leistet einen wichtigen Beitrag, um auf die Dringlichkeit von Klimaschutz und Jugendengagement hinzuweisen. Im Rahmen der Möglichkeiten wurde das Beste daraus gemacht, was nur dank der Freude und des Interesse von Jugendlichen aus der ganzen Welt möglich war.

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