Die Welt retten mit Achtsamkeit, oder: Atmen für die Umwelt

Sulak Sivaraska ist nicht gerade das, was man sich vorstellt, wenn man Professor hört: der 84- jährige ist klein, glatzköpfig und gut für Scherze aufgelegt. Er hat ruhige, sonnengebräunte Hände und begrüßt uns mit einer thailändischen Verbeugung. Er geht langsam, genießt jedes Essen und propagiert spirituelles Wachstum. In seinen Büchern setzt er sich gegen Kapitalismus und für Menschenrechte und globale Gerechtigkeit ein.

Und doch, er ist ein international anerkannter Professor der Soziologie, aber auch (Mit-)Gründer zahlreicher internationaler Initiativen, zum Beispiel des gemeinsam mit dem Dalai Lama gegründeten „International Network of Engaged Buddhists“. Er ist ein spiritueller Führer und Aushängeschild des Buddhismus im Westen, Autor unzähliger Bücher, Aktivist, er war Journalist, … „ich war alles schon einmal“ meint er gelassen und verweist damit auf seinen wechselvollen Lebensweg.

Denn das Leben des thailändischen Gelehrten klingt ein bisschen wie ein Hollywood Film oder aber Buddhas Geschichte: er wurde in eine privilegierte Familie geboren, wuchs in guten Verhältnissen auf und konnte in Großbritannien studieren. Als er dann zurück nach Thailand kam sei er arrogant gewesen, meint Sulak. Er habe ich sich groß gefühlt, weil er so viel wusste. Der Buddhismus aber, meint er, lehrt uns uns klein zu fühlen und Demut zu zeigen, weil wir so viel wissen. Lerne von den Bauern, hatte ihm ein Mentor geraten. Und diese Bescheidenheit lebt er ganz selbstverständlich vor: Auf ein beeindrucktes „sie haben über hundert Bücher geschrieben“, schmunzelt er nur und meint dann „bei meinem Alter…“

Sein ereignisreicher Lebenswandel ist auch geprägt von Vertreibung aus bzw. Inhaftierung in seiner Heimat Thailand. Mehrmals wurde er verhaftet, auch gerade kann er nicht gefahrlos nachhause zurückkehren. Obwohl dort seine Familie lebt, erscheint er nicht niedergeschlagen oder hoffnungslos- er predigt Vergebung, Bescheidenheit und Großzügigkeit.

Aber wie soll dieses buddhistische Weltbild unsere komplexen, verworrenen Probleme mit dem Klima lösen? Nun ja, allen voran mit der richtigen Atmung, die sodann eine bestimmte Weisheit oder Eingebung mit sind bringt, zum Beispiel: „We are all interconnected“. Wir sind alle miteinander verbunden – mit anderen Menschen und mit der Umwelt. Wenn es also den Pflanzen und Tieren schlecht geht, weil wir uns ihnen überlegen fühlen, dann leiden wir auch darunter: „Ohne Bäume können wir nicht überleben. Ohne Tiere können wir nicht überleben. Ohne Mutter Erde können wir nicht überleben“

Es ist also nicht technologischer Fortschritt, der uns und unseren Planeten retten wird, sondern die Großzügigkeit, Liebe und Güte eines jedes Einzelnen, meint Sulak und strahlt dabei eine seltene Gelassenheit aus. Und er gibt Mut, mit Atmen, Achtsamkeit und Anders-Sein die Welt ein bisschen besser zu machen.