Die eigene Heimat vom Klimawandel betroffen? – Borkenkäfer im Waldviertel – Boten des weltweiten Temperaturanstieges

In der niederösterreichischen Gemeinde Kottes-Purk hat diesen Sommer der Borkenkäfer gewütet. Forstwirte müssen teilweise zwei Drittel ihres Waldes durchforsten und vom Käfer befallene Bäume roden.

Die Gesamtfläche der Gemeinde Kottes-Purk beträgt 58km² und 35% davon sind Wälder (ca. 200 Hektar) und diese teilen sich großteils auf Kleinwaldbesitzer auf. Man könnte meinen, dass im Waldviertel – im hohen Norden – der Klimawandel sicher noch lange nicht seine Spuren zeigt. Falsch gedacht. Im heurigen Sommer war der Käferbefall in den heimischen Nadelwäldern enorm, da aufgrund der extremen Hitze und des entweder fehlenden oder zu starken Niederschlags innerhalb weniger Stunden (wodurch der Boden das gesamte Wasser nicht aufnehmen konnte), den Bäumen die Feuchtigkeit und somit die Kraft gefehlt hat, um sich gegen die kleinen Schädlinge zu wehren.
Die Fichte, der Brotbaum österreichs, ist die häufigste Baumart in unserem Land und wird bevorzugt vom Borkenkäfer befallen. Da die durchschnittliche Temperatur weltweit steigt, sind auch vermehrt die nördlichen Regionen österreichs betroffen, weswegen Buchdrucker oder Kupferstecher (Borkenkäferarten) ins kühle Waldviertel vordringen. Weiters kann die Fichtengrenze (Meereshöhe, ab der die Fichte wachsen kann) durch den Klimawandel auf 800 Meter steigen. Damit sind die Fichtenbestände, unter anderem rund um die Gemeinde Kottes-Purk (ca. 770 Meter über dem Meeresspiegel), nicht mehr überlebensfähig.

Die Land- und Forstwirte der Region fühlen sich bedroht. Ihre jahrzehntelange Arbeit wurde in diesem Sommer durch dieses kleine Insekt vernichtet, weshalb sie das Schadholz weit unter dem ursprünglichen Wert verkaufen mussten. Der übersättigte Holzmarkt verstärkt dieses Problem, da aufgrund des akuten Platzmangels das Holz nicht mehr zwischengelagert werden kann.

Kottes-Purk ist eine kleine feine Gemeinde im Waldviertel, welche ich stolz als meine Heimatgemeinde bezeichnen darf. Dieser Artikel hat bestätigt, was längst von den ortsansässigen Landwirtinnen und Landwirten angesprochen wurde. Ich hätte vor ein paar Jahren nicht gedacht, dass man den Klimawandel so sehr in unserer Region spüren wird – dem sei nicht so. Aus den letzten Jahren blieben viele Extremwetterereignisse in Erinnerung, vom Eisbruch im Herbst 2014 bis hin zum viel zu heißen Sommer 2017. Diese Wetterkonditionen sind mehr als ungewöhnlich für diese Region, wodurch besonders heuer die Fichte unter dem Befall des Borkenkäfers leiden musste. Diese Tatsache verdeutlicht erneut, dass zum Wohle unserer Wälder klare Handlungen im Kampf gegen den Klimawandel ergriffen werden müssen.

Link zum Artikel

Klar-Projekt des Klima- und Energiefonds der Bundesregierung

Climate Change Act – wie sehr ist deine Gemeinde vom Klimawandel betroffen?

Waldviertler Kernland informiert zum Klar-Projekt