#AmazonFires- das prekäre Verhältnis zwischen Politik und Klimakatastrophen

Bereits seit Monaten brennt der größte Regenwald der Erde, zu Beginn stets verfolgt durch die Augen der Medien – was zunächst hohe Wellen der Entrüstung schlug, ist jetzt abgeebbt. Viele erinnern sich an spektakuläre NASA Bilder, die große Aufmerksamkeit auf sich zogen, sowohl in der globalen Bevölkerung, als auch in der Politik. Viele wissen jedoch nicht, dass sich seitdem wenig getan hat. 

Der Physiker und Wissenschaftsjournalist Harald Lesch war zum Anlass der Brände bereits Ende August bei Markus Lanz eingeladen, als die Situation bereits begann sich zu verschärfen. Sein Auftritt war vor allem eins: eine Erinnerung, in welch prekärer Lage wir uns befinden und den Faktor Zeit nicht zu unterschätzen.

Der Amazonas produziert 20 Prozent des benötigten Sauerstoffs für alle Erdenbewohner. Die sinnbildliche „Lunge der Erde“ ist dementsprechend wichtig für das globale Klima. Doch sie brennt. Bereits seit einiger Zeit. Damit wurden einige Rekorde in der Geschichte gebrochen: In Brasilien wurden die schlimmsten Waldbrände seit Jahren und die meisten Feuer innerhalb eines Jahres verzeichnet. Das sind ebenso traurige Fakten, wie die Tatsache, dass die Brände nur ein weiterer Teil in einer Reihe von immer häufigeren, sowie heftigeren Naturkatastrophen sind. Sie sind großteils menschengemacht. Das alles ist mittlerweile bekannt.

Bild: : Марьян Блан auf unsplash.com

Dennoch gibt es ein Ungleichgewicht zwischen der Anteilnahme an schwerwiegenden Naturereignissen und anschließenden Konsequenzen, denn bis auf finanzielle Unterstützung gibt es keine relevanten rechtlich bindenden Regelungen zum Schutz des Amazonas. Lesch warnt eindringlich vor üblicher Relativierung und Vermeidungstaktik im Angesicht von Umweltdebakeln und anschließender Lösungssuche. „Freunde, wir haben nicht mehr so viel Zeit. Entweder wir machen jetzt schnell das Richtige, und versuchen, so schnell wie möglich aus allem rauszukommen, was Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre bläst.“ Andernfalls werde man sich mit „Krisenszenarien beschäftigen müssen, von denen wir noch nicht einmal eine Ahnung haben, was uns dabei droht“. Sein Auftritt ist wie ein letzter Warnruf, mit der Absicht, diesen nicht in einem endlosen Raum von Schuldzuweisungen verhallen zu lassen. Er stellt alle an den Pranger, nicht nur politische Entscheidungsträger, sondern die gesamte Gesellschaft, die nur bereit sei wissenschaftlichen Fortschritt zu genießen, solange dieser nicht den Verzicht postuliert.

„Freunde, wir haben nicht mehr so viel Zeit. Entweder wir machen jetzt schnell das Richtige, und versuchen, so schnell wie möglich aus allem rauszukommen, was Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre bläst.“

Harald Lesch

Doch wenn nicht einmal die Aussicht auf den langsamen Niedergang der Menschheit zu Maßnahmen motiviert, was dann? Laut Lesch sei dies nämlich nicht weit her geholt: „Wenn 25 Prozent der Fläche des Amazonas verschwunden sind, kann sich der Amazonas selber nicht mehr am Leben halten. Das würde bedeuten, dass aus einer Kohlenstoffsenke eine Kohlenstoffquelle wird.“ „(…)Angesichts des Zustandes des Planeten insgesamt könnte man im Nachhinein sagen, das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.“ Berechnungen, dass womöglich 2050 das Ende eines lebensfähigen Planeten eintritt wurden ja bereits veröffentlicht, doch könnten sie realistischer sein, als viele denken. Die bisherigen Maßnahmen scheinen bei weitem nicht ausreichend, um langfristig vor weiteren Katastrophen zu schützen. Eine Möglichkeit laut dem Wissenschaftler sei es, wichtige Naturgebiete zu schützen und notfalls mit Erstattungsleistungen aus Taschen der Weltbevölkerung vor wirtschaftlicher Nutzung zu bewahren. Konkrete Lösungen sind in jedem Fall notwendig, um nicht die letzten Chancen verstreichen zu lassen.