Das Dilemma mit der Sonnencreme: zwischen Haut- und Umweltschutz

Jeden Sommer das gleiche, die Sonnencreme vom Vorjahr ist mittlerweile mehr fest als flüssig und der Schutz vor schädlichen UV-Strahlen ist eher fragwürdig als gewährleistet. Bevor ich dieses Mal aber eine neue Creme kaufe möchte ich mich informieren, denn ich habe gehört, dass Sonnenschutz und Umweltschutz sich bei diesem Thema manchmal in die Quere kommen.

Schätzungen zufolge landen jährlich rund 14.000 Tonnen Sonnencreme im Meer. Auch, wenn es zwecks Corona dieses Jahr vermutlich nichts mit dem Urlaub am Meer wird, schadet es trotzdem nicht sich über die Beschaffenheit von Sonnenschutzmitteln Gedanken zu machen.

UV-Filter unterscheiden

Grundsätzlich enthalten Sonnenschutzmittel einen UV-Filter entweder auf chemischer oder auf physikalischer bzw. mineralischer Basis. Eine EU-Kosmetikverordnung regelt welche Filter überhaupt zugelassen sind.

Aber was ist da eigentlich der Unterschied?

Chemische Filter

So wirken sie: Chemische UV-Filter dringen in die Haut ein und bilden so einen Schutzfilm. Die Sonnenstrahlen werden in unschädliches Licht und Wärme umgewandelt.

Das Problem: Chemische Filter sind hoch umstritten. Einige von ihnen wie Octocrylen stehen im Verdacht, hormonell auf unseren Körper zu wirken und etwa die Fruchtbarkeit zu schädigen. Auch in der Umwelt können sie erheblichen Schaden anrichten. Sie reichern sich beispielsweise in Organismen an und sind ein Grund für das Sterben von Korallenriffen.

Physikalische bzw. mineralische Filter

So wirken sie: Physikalische UV-Filter „legen“ sich auf die Haut und reflektieren dort wie ein Spiegel. Sonnencremes mit physikalischen UV-Filtern hinterlassen daher oft ein weißlicher Film auf der Haut, sie “weisseln” also.

Das Problem: Um diesen Film zu verringern und die Textur dieser Produkte leichter zu machen, werden die Bestandteile häufig in kleinere Partikel zerlegt. So entstehen Nanopartikel. Sie dringen nicht so tief in die Haut ein wie chemische Filter. Ihre genaue Wirkung auf den Körper ist bisher jedoch umstritten. Derzeit sind Nanopartikel auch Naturkosmetik zugelassen, da sie laut Expert*innen auf gesunder Haut als unbedenklich gelten.

Welche Stoffen sind nun für die Umwelt bedenklich?

Auf seiner Website listet die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) eine Vielzahl an Stoffen auf, die den marinen Lebensraum gefährden können:

Oxybenzon, Benzophenon-1, Benzophenon-8, OD-PABA, 4-Methylbenzylidencampher, Benzophenone-8, Nano-Titanium Dioxid, Nano-Zink Oxid, Benzophenone-8, OD-PABA, 4-Methylbenzylidencampher, 3-Benzylidencampher, Nano Titanium Oxid, Nano-Zink Oxid

Wie kann Sonnencreme den marinen Lebensraum beeinflussen?

Wie bereits bei der Unterscheidung der UV-Filter erwähnt können sich schädliche Stoffe aus Sonnencremes in unterschiedlichen Meereslebewesen anreichern. Im folgenden ein Auszug an Organismen, die davon Schaden tragen können:

  • Fische: kann Fruchtbarkeit vermindern und bei männlichen Tieren weibliche Merkmale verursachen
  • Delfine: kann sich in Gefäßen anreichern
  • Korallen: kann sich in Gefäßen anreichern. Kann Bleiche hervorrufen, DNA Schäden verursachen und junge Korallen deformieren oder zerstören
  • Grüne Algen: kann Wachstum und Photosynthese beeinträchtigen
  • Muscheln: kann Defekte bei jungen Muscheln auslösen

Wie können wir uns selbst und marine Lebewesen schützen?

Aus Umweltsicht ist es das Wichtigste, dass Sonnenschutzmittel gar nicht erst ins offene Wasser gelangen!

Was kannst du tun?

  • erst nach dem Schwimmen eincremen
  • Sonnencreme ohne schädliche Inhaltsstoffen kaufen
  • zwischen 10 und 14 Uhr im Schatten aufhalten
  • keinen ganzen Sonnentag in der Sonnen verbringen
  • UV-Schutzkleidung statt Sonnencreme

Und welche Sonnencreme ist jetzt geeignet?

Sonnencreme, via pixabay

Utopia.de hat Sonnencremetests von 2017 – 2019 von Stiftung Warentest und Ökotest zusammengefasst und daraus eine Empfehlung abgeleitet. Die Ergebnisse des Tests findet ihr hier.

Du hast bereits die perfekte Öko-Sonnencreme entdeckt? Schreib uns deine Tipps doch in die Kommentare!

Zum Abschluss noch ein paar Good News

Der Pazifikstaat Palau verbietet ab 2020 Sonnenschutzmittel, die die Chemikalien Octinoxat und Oxybenzon enthalten.

Derzeit wird an vollständig biologisch abbaubaren Inhaltsstoffen für Sonnencremes geforscht, die die Umwelt nicht belasten. Vorbild sind hier zum Beispiel Pflanzen in der Wüste, die trotz Sonne und UV-Strahlung nicht absterben.

(c) NOAA, Infographic: Sunscreen Chemicals and Marine Life.
(c) NOAA, Infographic: Sunscreen Chemicals and Marine Life.

Beitragsbild: unsplash / @quinguyen

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