Der Klimawandel: Fad, Kompliziert, Unpräzise?

Ist der Klimawandel mit der Wahl endgültig aus dem Parlament verschwunden? Mit dieser Frage befasste sich eine von der NGO System Change not Climate Change veranstaltete Podiumsdiskussion am NIG vergangene Woche in Wien.

Das Ergebnis der Nationalratswahl 2017 ist bekannt: ÖVP und FPÖ gewannen viele Stimmen, während die Grünen, die sich traditionell für den Klimaschutz eingesetzt  hatten,  den Einzug in das Parlament nicht mehr schafften. Eine von der Umwelt-NGO System Change not Climate Change veranstaltete Podiumsdiskussion versuchte der Frage nachzugehen, was die Folgen für die österreichische Klima-Politik sein könnten.

Laut Wahlforscher Laurenz Ennser-Jedenastik ist so ein Vakuum zum Thema Klimapolitik entstanden, das erst zu füllen sein wird. Der Wahlforscher verweist jedoch auf einen möglichen positiven Aspekt dieser Situation. Seine Hoffnung: potenziell umweltfeindliche Aussagen von Klima-SkeptikerInnen und daraus entstehende Konflikte. Diese könnten Aufmerksamkeit generieren, Emotionen wecken und das Klima-Thema wieder spannend machen. Quasi Trump-Effekt also (meine Interpretation).

Mit den Problemen, die der Klimawandel JournalistInnen bereitet, befasste sich Journalist Benedikt Narodoslawsky: Langeweile zum Beispiel. Es gebe kaum Storys zum Klimawandel zu holen. Mit Ausnahme von einigen Skeptikern, sei der Bevölkerung klar, dass der Klimawandel existiert –  also warum ständig daran erinnert werden?  Zusätzlich sei es viel schwieriger, einen verständlichen Artikel über Erderwärmung oder Energieeffizienz zu schreiben als über Flüchtlinge. Ist doch auch blöd, wenn man die Hälfte der Wörter in der Überschrift nicht versteht!

Wird die neue Parteienlandschaft im Parlament zu einer Verschlechterung der Klimapolitik führen? Klima-Experte Adam Pawloff etwas zynisch: da in den letzten zehn Jahren auch nichts passiert wäre, sei eine Verschlechterung quasi unmöglich. Allerdings erwartet er von der kommenden Regierung auch keine großartigen Ambitionen, Österreich als Klimavorreiter zu positionieren. Viel mehr befürchtet er eine Klimapolitik der Minimalkompromisse. Soll heißen, wir tun was die EU vorgibt und fertig. Mein Gedanke dazu: Hoffentlich erteilt die EU strenge Vorgaben.

Wie es wirklich weitergeht, werden wir sehen. Klar ist: wenn die Erwartungen so niedrig sind, kann man nur positiv überrascht werden. Außerdem leben wir noch immer in einer Demokratie, also liegt es am Ende an uns WählerInnen und BürgerInnen, Initiativen einzufordern und Interesse am Thema Umwelt zu zeigen.

Hard Facts:
Veranstalter: System Change not Climate Change
Reihe: Kämpfe um Klima – Brennpunkte der sozial-ökologischen Wandels: Teil 2
Datum: 17.10.2017
Weitere Informationen: http://systemchange-not-climatechange.at/de/kaempfe-ums-klima/