Die Problematik des Onlineshoppings

Erst vor einigen Stunden las ich den Satz „stay home, shop online“ in einer Werbung, als ich auf Social Media unterwegs war. Wenn wir uns ehrlich sind, war Online Shopping auch schon vor dem COVID-19 ein großes Thema. Insbesondere in einer Zeit, in der wir jede freie Minute nutzen wollen, sei es der Weg in die Arbeit, auf die Uni oder zum Besuch der Familie, als das noch ging. Aber auch heute, zwischen Home-Office und geplantem Zoom-Meeting. 

Wir optimieren ständig und da ist es doch auch sinnvoller, das entstandene Zeitfenster zu nutzen und mal die Webseite vom Fashion-Store durchzuscrollen. Ein paar neue Artikel zum Warenkorb hinzuzufügen, die man dann nach der Zeit in der häuslichen Quarantäne direkt beim ersten Kaffee in der Sonne ausführen kann. Am besten gleich zweimal dasselbe in anderer Größe bestellen, man kann’s ja (meist) gratis zurückschicken, oder?

Wie sich dieses Online Shopping Verhalten- einem verlockenden Angebot nicht Widerstehen zu wollen oder dem saisonalen Trend folgen zu wollen und das JETZT sofort, auch wenn die Mitbewohner*in dich doch eh’ nur in Sport-Leggings sieht -auf unseren Planeten auswirkt, davon möchte ich euch erzählen.

Laut der Studie „Österreicher sind Retouren-Weltmeister“ des E-Commerce-Gütezeichens, schickt jede*r fünfte Österreicher*in die bestellte Ware zurück. Insbesondere bei Kleidungsstücken liegt der Anteil sogar bei 4 von 5 Bestellungen! Doch wenn man das T-Shirt nur zuhause anprobiert und es leider doch nicht richtig sitzt, dann bekommt doch der/die Nächste, dasselbe T-Shirt neu verpackt. Das dachte ich zumindest.
Dabei entstehen enorme Kosten für den/die Verkäufer*in, weil die zurückgeschickten Waren per Hand kontrolliert werden, ob der Artikel noch in Takt ist oder Defekte/Verschmutzungen aufweist. Ebenso muss geprüft werden, ob die Ware auf ihren Produktions-Standard zutrifft und das Produkt ihren Namen mit gutem Gewissen repräsentieren kann. Trifft das zu, dann müssen z.B. die Kleidungsstücke gereinigt, neu gefaltet, gepresst und verpackt werden. Nur knapp die Hälfte der retournierten Päckchen werden ihren Weg zurück ins Regal schaffen, darunter werden weniger als 50% zum tatsächlichen Originalpreis an neue Kund*innen verschickt, berichtet CNN Money. Der Rest wird an Outlets oder an günstige Händler*innen geschickt und zu einem Bruchteil des Preises verkauft. Oft kommt es dem Unternehmen aber günstiger, sich ‚nicht mehr darum zu kümmern‘ als durch den Aufwand des Wiederverkaufs zu gehen, sodass die Ware im Textilmüll landet.

„The flow of goods to customers and back to retailers is flawed
both from an economic and environmental perspective.“

Sarah Needham, Centre for Sustainable Fashion at University of the Arts London

Jedes Jahr erzeugt die USA alleine 5 Milliarden Pfund Textilmüll, der auf Mülldeponien landet und 15 Millionen Tonnen CO2-Emissionen durch den dazugehörigen Transport, schreibt Vogue Business.

Foto von Unsplash.com

Aber auch innerhalb Europas sieht es oft nicht viel anders aus. Auch Amazon wurde bereits beschuldigt, Gegenstände, die nach Frankreich oder Deutschland zurückgeschickt wurden, zerstört zu haben, anstatt diese erneut zu verkaufen. Burberry musste 2018 zugeben, dass sie in den fünf Jahren zuvor Kleidung und Accessoires im Wert von £90 Millionen verbrannten.
Ähnliches passierte bei H&M. Es war ein Skandal in der Modeindustrie zu erfahren, dass große Konzerne lieber ihre Ware verbrennen, bevor die Kleidung unter ihrem Wert verkauft wird, um so das Image der Marke und ihre Exklusivität nicht zu verlieren. The Guardian berichtet aber, dass das Verbrennen von Ware in Frankreich mittlerweile verboten ist. #goodnews! 

„In der Modebranche muss, im Gegensatz zu anderen Warengruppen wie beispielsweise technischen Geräten, die Größe exakt passen.“, sagt Thorsten Behrens, der Geschäftsführer des Österreichischen E-Commerce Gütezeichens. „Häufig sind auch Farben und Stoffe anders als am Bild ersichtlich und viele Konsumenten bestellen von vornherein mehrere Artikel zur Auswahl und suchen sich dann jene aus, der am besten passt.“, meint er.

Viele Gründe, warum die Kundschaft Waren retourniert, sind inkorrekte Informationen, die von den Händler*innen online angegeben werden. Wenn diese mehr Aufwand in ihre Größen und materielle Informationen investieren, sodass die Ware korrekt repräsentiert wird, könnten viele Fehlkäufe vermieden werden. Ebenso nutzen immer mehr Shops TrueFit-Technologien, um den Kundinnen und Kunden die korrekte Größe bieten zu können.

Falls es doch zu einem Fehlkauf kommt, kann man auch überlegen, ob sich jemand aus dem Freundeskreis über das bestellte Produkt freuen würde oder es jemand anderem passen würde, um dem Artikel ein neues Zuhause zu ermöglichen. Natürlich sind auch Kleidertausch-Veranstaltungen oder Second-Hand Shops eine gute, nachhaltige Alternative zum Online Shoppen.

Trotz des Wissens, das Amazon bei weitem keine nachhaltige Lösung ist, um jegliche Dinge zu kaufen, drücken doch enorm viele von uns immer wieder ein Auge zu, um das Buch oder neue Elektrogerät ein bisschen günstiger als beim nachhaltigen Händler zu kaufen, der -wenn wir uns ehrlich sind- eh’ faire Preise hat.
Erst vor wenigen Tagen berichtete The Guardian, dass es in vielen Warenhäusern keine Gesichtsmasken oder Desinfektionsmittel mehr gibt, um die Arbeiter*innen vor dem Corona Virus zu schützen.
„Sie kontrollieren zwar unsere Körpertemperatur am Eingang, aber den Sicherheitsabstand zu den Kollegen kann man nicht einhalten, wenn einige hundert Menschen im Gebäude arbeiten. Und noch immer neue angestellt werden.“, meint ein Mitarbeiter von Amazon im Interview mit The Guardian. Der Konzern beschwichtigt die Situation, in dem es heißt, dass nur notwendige Dinge wie Toilettenpapier und Reinigungstücher verschickt werden, doch auch das widerlegt eine Mitarbeiterin, die davon spricht, weit mehr als nur das Notwendigste zu verpacken, von Kopfhörern zu Videospielen sei viel dabei.
Ähnliche Nachrichten hört man aus New York, wo Mitarbeiter*innen eines Warehouse entlassen wurden, weil sie einen Protest initiieren, um auf die Situation und ihre mangelnde Sicherheit aufmerksam zu machen.

Auch wenn die Realität ein negatives Bild zeichnet, gibt es doch auch Alternativen, um nachhaltig die Artikel besorgen zu können, auf die wir sonst keinen Zugriff haben.

Foto von Unsplash.com

Denn wenn zu Zeiten einer weltweiten Epidemie, die meisten Geschäfte noch zu haben, dann drücken wir eben -besonders aus dem Komfort der eigenen vier Wände heraus- leicht mal auf den „jetzt zahlungspflichtig bestellen“-Knopf. 
Einfach nichts kaufen, weil es eine Belastung für die Umwelt ist, auch wenn man Dinge benötigt, ist oft auch nicht wirklich möglich. Dass ein kapitalistisches Wirtschaftssystem ohne Konsum nicht funktioniert, ist klar.

Um hier der Umwelt nicht zu schaden, ist es wichtig, den Konsum nachhaltig zu gestalten. Absolut sinnvoll ist es vor allem (kleine) regionale Betriebe aus Österreich zu unterstützen. Ich habe ein paar Links zusammengestellt, um Alternativen zu großen Konzernen und online Marktplätzen aufzuzeigen, unter dem bitteren Motto
„eat here, or we’ll both starve“.

Außerdem gut zu wissen:
2016 gab es pro Person in Europa ungefähr 170kg Verpackungsmüll, der vor allem beim verschicken, in Massen anfällt. Hier gleich ein Tipp: viele Online Stores setzen bereits auf biologisch abbaubare Verpackungen oder recycelte Materialien, aber auch, wenn dies bei anderen Onlinegeschäften noch nicht zu trifft, kann man in den Einstellungen seines Accounts zu „so wenig Verpackung wie möglich“ oder „alle Produkte in einem Paket verschicken“ ändern.