Filmempfehlung: Guardians of the earth

Oder: Hinter den Kulissen des Pariser Klimaabkommens. Im Laufe der Lcoy (Local Conference of Youth) 2019 habe ich den Dokumentarfilm „Guardians of the Earth“ gesehen. Ein Film über das Pariser Klimaabkommen 2015, der anschaulich zeigt, wie hart dieses erkämpft wurde. Mit der baldigen COP, der weltweiten Klimakonferenz, ist der Film nun aktueller denn je. Eine Dokumentation, die berührt und gleichzeitig einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt. Denn leider handelt es sich bei dem Gesehenen nicht um Fiktion – sondern um eiskalte Wirklichkeit.

Der Regisseur Filip Antoni Malinowski begleitet einige VertreterInnen der einzelnen Länder bei den Verhandlungen über ein globales Klimaabkommen 2015 in Paris. Innerhalb von nur 11 Tagen sollen sich die Staaten auf ein globales Klimaabkommen einigen. Damit das Abkommen zustande kommt, darf allerdings nicht ein einziges Land gegen den Vertragstext stimmen, was im Laufe der Verhandlungen stets als Trumpf ausgespielt wird. Denn genau so können einzelnen Länder das gesamte Abkommen blockieren.

Das ambitionierte Ziel, die Erderwärmung unter 1,5 Grad Celsius zu halten, gerät daher im Laufe der Verhandlungen ins Wanken. Das Klima rückt mehr und mehr in den Hintergrund. Die Interessen der einzelnen Nationalstaaten rücken vor und versperren den Weg.  Der Film schildert eindrücklich, wie hart um dieses Abkommen gekämpft wurde. Auf höchst emotionale Weise wird der Zuseher mitgerissen. VerhandlerInnen, denen der Klimaschutz ein wirkliches Anliegen ist, haben mit den Tränen zu kämpfen. So auch die Generalsekretärin der UN-Klimakonvention, Christina Figueres. Ihr war das globale Abkommen ein großes Anliegen, doch im Laufe der Verhandlungen schien es immer unmöglicher zu werden. Die Diskrepanz zwischen arm und reich spiegelt sich auf erschreckende Weise in den Verhandlungen wider. Profite über alles – auch über unsere Zukunft, so die Verhandlungslogik einiger Länder. Nun wird klar, wen die globale Klimakrise wohl am härtesten Treffen wird: die ärmsten.

Saleemul Huq, Experte für Klimawandel aus Bangladesch, wird ebenfalls von dem Filmteam begleitet. Er hat bis zum Pariser Klimaabkommen auf allen Klimakonferenzen teilgenommen und schon viel mitangesehen. So erzählt er, dass die ärmeren Länder systematisch übergangen werden. Sie hätten auch keine Druckmittel, um dies zu ändern. Ein Land wie Bangladesch wird, nach jetzigen Prognosen, am Ende des Jahrhunderts unter Wasser stehen. So wie einige Länder Südostasiens oder Afrikas. Auch Inselstaaten steht keine rosige Zukunft bevor. Das Leben von Millionen von Menschen ist in akuter Gefahr.

Doch VertreterInnen anderer Länder scheint dies völlig egal zu sein. Es wird berichtet, dass Saudi-Arabien die Verhandlungen seit 20 Jahren blockiert. Vom Ölexport zu großen Reichtum gekommen will Saudi-Arabien diesen Wohlstand nun nicht aufgeben. Rückendeckung bekommt das mächtige Land von anderen arabischen Ländern, die ebenfalls von den Saudis abhängig sind. Konkret blockierten speziell die arabischen Länder die Verhandlungen, mit der Forderung, spezifische Formulierungen zu verändern. Was möglicherweise trivial erscheinen mag, hat jedoch große Auswirkungen. Anstelle von „should“ wollte man hier an vielen Stellen des Vertrags „may“ einfügen, da „may“ vertraglich nicht sonderlich bindend ist. „May“ bedeutet, dass das jeweilige Land die Forderungen umsetzen kann, dies aber nicht zwangsläufig tun muss. Dies lässt den Ländern die Option, die Ziele gar nicht oder nur halbherzig umzusetzen.

Die Länder, die durch fossile Brennstoffe zu Reichtum gekommen sind, wollen sich natürlich nicht verändern. Wer an der Quelle des Geldes sitzt, gibt diese Macht nur ungern aus der Hand. So entsteht ein Kampf um das Klima, der auf dem Rücken der Ärmsten ausgetragen wird. Deshalb schlossen sich die Entwicklungsländer im Laufe der Verhandlungen zusammen und verlangen nach einem 1,5 Grad Ziel. Viele Länder waren bestrebt, solch ein ambitioniertes Klimaabkommen auszuhandeln, was angesichts des gegenseitigen Widerstandes doch schlussendlich nicht möglich war. Und sogar 1,5 Grad werden einige Länder nicht vor Zerstörung, Katastrophen und Leid bewahren. Für einige kommt das Abkommen einfach zu spät.  Im fertigen Text des Abkommens soll die Erderwärmung nun unter 2°C, möglichst unter 1,5°C gehalten werden. Ein symbolisches Zugeständnis an die Entwicklungsländer, die das 1,5°C vehement einforderten.

Der Film verdeutlich sehr gut, dass sich im Endeffekt doch alles ums Geld dreht. Das wirklich wichtige scheint, zumindest für einige VertreterInnen, die Wirtschaft zu sein. Geht es um Geld, ist nicht mehr zu spaßen. Doch trotz unendlicher Forderungen und Änderungen im Vertragstext wird das Pariser Klimaabkommen schlussendlich nach Verlängerung der Verhandlungen doch durchgeboxt. Am Ende des Filme liegen sich die Verhandler jedoch jubelnd in den Armen. „Wir haben es geschafft!“  Die meisten sind überglücklich, doch das Glück hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack.

In einer Schlussszene liegt Saleemul Huq, der Vertreter Bangladeschs in seinem Hotelzimmer und lässt die Klimakonferenz noch einmal Revue passieren. Mit Tränen in den Augen meint er stolz, es nun geschafft zu haben. Es bleibt zunächst offen, warum er glücklich scheint, denn im Falle Bangladeschs ist das vorliegende Klimaabkommen schlichtweg eine Katastrophe. Doch in der Nachbesprechung des Films mit dem Regisseur wird deutlich: Saleemul war zu Tränen gerührt, da die Forderung der Entwicklungsländer, die Erderwärmung 1,5°C zu beschränken, in das Abkommen aufgenommen wurde. Etwas, für das die Länder des globalen Südens schon lange kämpften. Hier ging es nicht einmal darum, dass einige Länder noch zu retten wären. Es ging schlicht um die Anerkennung der reichen Staaten der Welt die mit den 1,5°C zugestanden: ja, ihr existiert. Ihr habt zwar kein Recht zu überleben, aber wir sehen, dass es euch gibt.

Der Bildschirm wird schwarz und auf einmal ertönt Donald Trumps Stimme, die gegen das Klimaabkommen wettert und es als: „One oft he dumbest things I´ve ever seen“ bezeichnet. Der Ausstieg der USA aus dem erarbeiteten Abkommen wird ankündigt.

Guardians of the Earth ist ein sehr empfehlenswerter Film, der eine Realität aufzeigt, die man vielleicht lieber gar nicht erst gesehen hätte. Er hinterlässt einen ein wenig mutlos, da er ein niederschmetterndes Bild der Welt zeigt. Gleichzeitig erweckt sie aber auch den Impuls zu handeln und gegen die gerade gesehene Ungerechtigkeit anzukämpfen. Der Film ist auf jeden Fall wert gesehen zu werden, um Einblicke in riesige, internationale Verhandlungen zu bekommen und die Motive hinter diesen zu verstehen. Allerdings braucht es danach etwas, das Mut macht, um das Gesehene in positive Handlungsmotivation umzuwandeln.