Im Ascheregen: Europäische Standpunkte zur Kohleenergie

In Österreich soll die Wärmeerzeugung für Gebäude bis 2030 von Brennstoffen wie Kohle und Öl entkoppelt und auf Wasserstoff gesetzt werden. Dieses Vorhaben und das Ziel einer österreichweiten Wärmestrategie äußerten die Teilnehmer*innen der Energie-Landesräte-Konferenz sowie Umweltministerin Hannelore Gewessler am 29. September 2020 in Linz. Nicht nur in Österreich ändert sich die Einstellung zur Kohle – aber wie steht es in Europa tatsächlich um den fossilen Brennstoff?

Bereits seit dem 12. Jahrhundert ist der Brennstoff Kohle in Verwendung. Durch den immensen CO2 Ausstoß der Kohle-Kraftwerke schädigt der kostengünstige Energieträger seitdem nicht nur die Umwelt, sondern, durch entstehende Schadstoffe und Feinstaubbelastung, auch die Gesundheit (Greenpeace). Seither sind etwa 800 Jahre vergangen. 2018 belegte der Energieträger mit knapp 17% der Primärenergieerzeugung*, hinter Kernenergie (ca. 28%) und Biogener Energie (ca. 18%) in den damaligen EU-28 immerhin noch den dritten Platz (Energie in Österreich, 2020).

Kohleenergie in Österreich

Während Österreich 2019 selbst keine Kohleenergie erzeugte, betrafen immer noch 9% seiner Energieimporte den fossilen Brennstoff – dies liegt jedoch weit hinter den Import von Öl- (ca. 46%) und Gasenergie (ca. 36%) (Energie in Österreich, 2020). Dennoch: bereits im April 2020 wurde in Mellach (Steiermark) das letzte österreichische Kohlekraftwerk stillgelegt und damit ein Zeichen für den notwendigen globalen Kohleausstieg bis 2030 gesetzt, der für eine Erfüllung des Pariser 2°C-Ziels essenziell wäre. Ein Ziel von dem einige europäische Länder weiter entfernt sind, als andere.

Kohleenergie in Deutschland und Polen

In Österreichs Nachbarland Deutschland und in Polen ist die Abhängigkeit von Kohleenergie noch stark evident – Deutschland will bis 2038 den Ausstieg schaffen, Polen erst bis 2049. Die Nutzung des fossilen Brennstoffs ist immer weniger rentabel, die Konkurrenz durch erneuerbare Energien wächst stetig. Aktuell setzt Polen noch zu 80% auf Energie aus Braunkohle und Steinkohle, Deutschland zu 30%. Speziell Braunkohle, die bei der Verbrennung enorme Mengen klimawirksames CO2 freisetzt, gilt als besonders umweltschädigend. Laut einer deutsch-tschechischen Studie (Schulz, Schwartzkopff, 2018) macht die Nutzung von Braunkohle immerhin 18 % der deutschen Treibhausgasemissionen aus. Ihr Abbau zerstört in Deutschland dennoch nicht nur die Natur, sondern auch gegenwärtig noch ganze Dörfer, die dem Kohleabbau weichen sollen – obwohl das Ende der Kohleenergie absehbar ist.

Kohleenergie in Europa

Gemeinsam mit Österreich, hat auch Schweden im Jahr 2020 den Ausstieg aus der Produktion von Kohleenergie vollzogen. Ambitionierte Kohleausstiegspläne präsentieren insbesondere auch Frankreich mit 2022, Portugal und die Slowakei mit 2023 und Großbritannien mit 2024/25 – Länder, deren Anteil an Kohleenergie jedoch grundsätzlich schon gering ist. Währenddessen haben diverse (süd-)osteuropäische Staaten noch keinen konkreten Ausstiegszeitpunkt festgelegt. Zusätzlich beziehen viele Staaten im Südosten noch einen Großteil ihres Stroms aus Kohleenergie – allen voran Tschechien, Griechenland und Bulgarien, die in der Stromversorgung 2017 jeweils zu mehr als 40% auf den fossilen Brennstoff setzten (Statista-Recherche, 2017). Das Bewusstsein, dass ein baldiger Kohleausstieg zur Verlangsamung des Klimawandels, gezwungenermaßen erfolgen wird und muss, ist jedoch in ganz Europa gegenwärtig.

Kohleanteil an der Stromerzeugung in europäischen Ländern 2017 © Statista

*natürlich vorkommende Energieträger, die nicht weiter umgewandelt werden