Kann man Fliegen kompensieren?

Fliegen schadet der Umwelt, das ist hinlänglich bekannt. In letzter Zeit wird es deswegen immer beliebter, die durch persönliche Flugreisen verursachten Treibhausgasemissionen zu kompensieren. Dafür wird an Projekte gespendet, die für die Gesamtbilanz ausgleichend wirken sollen. Wie funktioniert das?

3,5%. So groß ist nach Schätzungen des IPCC (International Panel on Climate Change) der Anteil, der dem Flugverkehr am globalen Ausstoß an Treibhausgasen geschuldet ist. Dazu zählen CO2, aber auch Wasserdampf, Stickstoffoxide, Schwefeloxide und Rußpartikel. Dem IPCC zufolge sollen die Emissionen bis 2050 noch steigen, auf 5 bis 15 Prozent des globalen Ausstoßes. Eine erschwerende Tatsache ist die schwere Steuerbegünstigung, die der Flugverkehr unter anderem in Österreich genießt. Der Treibstoff ist von der Mineralölsteuer ausgenommen, und für die Tickets zahlt man keine Umsatzsteuer. Dadurch wird der Impact des Fliegens noch verstärkt, denn unnötige Kurzflüge, die sehr gut mit der Bahn bewältigt werden können, werden vermehrt in Anspruch genommen, und das Problem wird durch die niedrigen Preise auf Konsumentenseite bagatellisiert. Abgesehen davon entzieht sich der Flugverkehr seiner Verantwortung der Menschheit gegenüber, um dessen einzigen Planeten es geht.

Jetzt die gute Nachricht: Du kannst die Emissionen deiner Flüge kompensieren! Verschiedene Anbieter berechnen die Emissionen deines Fluges und leiten deine Spende dafür gleich an passende Projekte weiter. Die Ergebnisse der Rechnung variieren oft je nach Plattform stark, da die verwendeten Quellen gewisse Parameter anders bewerten. Zum Beispiel wird nur der CO2-Ausstoß einbezogen, oder die anderen Abgase werden in CO2 aufgewogen oder separat aufgelistet. Der Preis für die Kompensation kann auch eine ganze Bandbreite an “Bußstufen” umfassen, je nachdem, wie viel für die angebotenen Projekte pro Tonne CO2 angerechnet wird. Die deutsche Seite atmosfair.de schlägt 23€/T vor, das Kompensationssystem der BOKU zwischen 20 und 65€/T. Dabei kommt es auf das jeweils unterstützte Projekt an und wie die Neutralisierung des Ausstoßes konkret berechnet wird.

Aber Achtung: Die Emissionskompensation darf nicht als Freibrief zum endlosen Fliegen verstanden werden! Die weitaus effektivere Klimaschutzmaßnahme ist der Verzicht oder zumindest die Verminderung des Fliegens. Als Alternativen bieten sich, je nach Anlass, beispielsweise die Bahn (1/31 der Emissionen eines Fluges), der Reisebus (⅛ der Emissionen) oder in diesem Fall sogar das Auto an (immerhin ½ der Emissionen). Geht es nur um mentale Anwesenheit, können auch Internetdienste wie Skype o.ä. verwendet werden, womit sich die Anreise erübrigt.

Deshalb ein Neujahrsvorsatzvorschlag von uns: Steig 2019 weniger oder sogar gar nicht in den Flieger; wenn es wirklich nötig ist (und du das Geld zur Verfügung hast) ist es eine Option, ein Projekt zu unterstützen, um deinen Footprint zumindest ansatzweise zu verkleinern! Natürlich kannst du auch politisch aktiv werden, einen guten Einstieg dafür bietet die Plattform Stay Grounded. Weiters gibt es deiner Nähe sicher Aktionen für eine Reduktion des Fliegens, in Wien etwa “Nein zur 3. Piste” beim Flughafen Schwechat.


Weiterführende Links:

www.atmosfair.de
www.climateaustria.at
BOKU CO2-Kompensation
Stay Grounded

Quellen:

http://www.grida.no/climate/ipcc/aviation/003.htm
https://en.wikipedia.org/wiki/Environmental_impact_of_aviation#Total_climate_effects
https://science.orf.at/stories/2793116/
https://derstandard.at/2000093197914/CO2-Abgase-durch-Fluege-in-Oesterreich-seit-1990-mehr-als