Loss and Damage – Humanitäre Aufgabe oder Klimapolitische Verantwortung

Unter dem Titel “Loss & Damage” wird bei der diesjährigen Klimakonferenz verhandelt, wie mit irreversiblen Schäden umgegangen werden soll, die durch die Klimakrise verursacht wurden. Streitpunkte zu dem Thema gibt es genug und die Berechnungen der Schäden ist kompliziert, manchmal sogar unmöglich.

Artikel von: Antoine Ferraris

Bisher haben Staaten versucht, mit dem “Warsaw International Mechanism” das Thema stärker in den Fokus zu rücken und besser zu verstehen. Besonders betroffenen Ländern (vulnerable countries) geht der Prozess zu langsam. Heuer wird der WIM überarbeitet und bekommt neue Arbeitsaufträge. Das große Fragezeichen ist die Finanzierung der Schäden.

Betroffene Staaten spüren schon heute die unberechenbaren extremen Wetterereignisse und die dramatischen Auswirkungen der Klimakrise. Viele stehen vor großen finanziellen Schwierigkeiten und können sich den Wiederaufbau, wenn er überhaupt noch möglich ist, kaum leisten. Es werden drastische finanzielle Maßnahmen gefordert, oder zumindest Versicherungen, um nicht wehrlos den Katastrophen ausgeliefert zu sein.

Ihnen gegenüber stehen die meisten Industriestaaten wie die USA oder die EU. Sie sehen die Ereignisse, verstehen auch die Ansicht der stärker betroffenen Länder, aber wollen nicht das Risiko eingehen, plötzlich mit Milliarden-Zahlungen für “Entwicklungshilfe” konfrontiert zu werden. Die USA hat die Strategie des “Hinauszögerns” gewählt und pocht auf zusätzliche Evaluierungen. Die EU hat sich nur sehr passiv an der Diskussion beteiligt und bevorzugt Anpassungsmaßnahmen in betroffenen Regionen, damit Schäden minimiert werden. Finanzielle Unterstützung wird prinzipiell befürwortet, jedoch sollte eher bestehende Infrastruktur genutzt werden, z.B. mit dem Ausbau der klassischen Entwicklungshilfe.

Für betroffene Staaten ist das nicht genug. Ihr Hauptargument ist, dass aus historischer Sicht vor allem Industriestaaten die bisherigen Emissionen verursacht haben und deswegen auch für die Schäden zahlen sollten. Für Letzteres wäre das jedoch ein Schuld-Eingeständnis, das mit einem hohen Zahlungsrisiko verbunden wäre.

Nach derzeitiger Lage wird es keine Entscheidung zur Finanzierung geben. Im letzten Entwurf steht “Urges developed country Parties to scale up action and support, as appropriate, including finance, technology and capacity building, for developing countries,(…).” Damit werden Industriestaaten zwar in einem schärferen Ton als je zuvor zur Unterstützung von Entwicklungsländern aufgefordert, jedoch wird weder präzisiert wie viel, noch mit welchen Mitteln.

Das Executive Committee, das für die Umsetzung des WIMs zuständig sind, wird im nächsten Zyklus neue Finanzierungsquellen suchen und analysieren. Wann dazu die Ergebnisse vorliegen ist unklar.

Die Länder, die von der Klimakrise am stärksten Betroffen sind, wo schon Menschen flüchten mussten und gerade ganze Kulturen verloren gehen, sind verzweifelt. Sie können nur hoffen, dass bei den nächsten COPs vernünftige Wege gefunden werden, um die Schäden zu kompensieren.

Titelbild: © Kelly Sikkema

Über Antoine Ferraris:
Antoine Ferraris ist als Jugenddelegierter Österreichs mit CliMates Austria bei der COP25. In seinem Studium Umwelt- und Bioressourcenmanagement lernt er über die Zusammenhänge der Klimakrise mit unserer Gesellschaft und den Ökosystemen. Auf der COP hat er das Thema Loss and Damage verfolgt.