Nachhaltiges Reisen – ein Erfahrungsbericht [Gastkommentar]

Gastautor: Urban Hammerschmied

06:18, Busbahnhof Zagreb. 17 Stunden Fahrt liegen hinter und 8 noch vor mir. Nur mit Mühe kann ich meine Augen offen halten. Mit Schlaf war nicht viel bei 1,93 Körpergröße und Bussen, die gefühlt für Kleinkinder konstruiert worden sind. 

Gestartet bin ich im Norden von Albanien, genauer gesagt in Shkoder, von wo es erstmal auf ziemlich rumpligen Straßen um den Shkutarisee nach Podgorica weiterging. Die weiteren größeren Stops waren bisher Budva, Kotor, Dubrovnik, Split und eben jetzt Zagreb. Ein kurzer Besuch der Bahnhofstoilette, Deodorant und Zahnpasta sorgen für das nötige Wohlbefinden, um den nächsten Etappenschritt in Angriff zu nehmen. 

Aber warum das Alles? In nicht mal 4 Stunden könnte man für 280 Euro nach Tirana und wieder zurück nach Wien fliegen. Zugegeben, mit 174 Euro war meine Art zu reisen etwas preiswerter, aber mit 52 Stunden eben auch etwas länger. Für mich selbst ist es eine Gewissensentscheidung gewesen. Wir alle wissen um die Umstände, in denen sich unsere Welt befindet und da habe ich für mich selber eine Grenze gezogen. Erstens kann man auch in Europa noch neue Plätze und Länder entdecken und muss nicht einmal um die halbe Welt und zweitens geht eben dies auch mit Alternativen zum Flugverkehr. 

Das hier soll jedoch keine romantisierte Reisebeschreibung über lebensverändernde Gespräche in frühen Morgenstunden sein, nein! Eine Busreise nach und dann auch noch in Albanien (nochmal rund 20 Stunden) ist verbunden mit Schlafentzug, Verspannungen, Tankstellenessen- und toiletten, abwechselnden Klimaanlagenexzessen und Saunatherapien, bei denen sogar Finnen schwindelig werden würde. 

Jedoch lassen mich eben genau diese Umstände etwas erkennen: unsere Welt ist wirklich ziemlich groß. Diese naive Erkenntnis begründet sich durch die Tatsache, dass durch lange Reisezeiten die Distanzen um einiges realer wahrgenommen werden; es sind eben doch 1126 km. Wer schon einmal eine Radreise oder einen Trekkingtrip unternommen hat, kennt das. Und genau in dieser Erkenntnis verbirgt sich für mich sehr Vieles, das eine solche Reise doch wertvoll macht. Die Welt erscheint mir wieder etwas größer, Geheimtipps, Lieblingsplätze und Abenteuer greifbarer. Aus dem Fenster schauen, staunen, der Welt beim Verändern zusehen. Sprachen wechseln sich ebenso ab wie Gerüche und man ist auf einmal ganz unvermittelt wieder ein Stück weit Kind.

Titelbild: Photo by Polina Raevskaya on Unsplash