Hätten, sollen, wollen – TUN! Ein Kommentar über Aktivismus

Du fühlst dich überwältigt von politischen Entscheidungen, die über unseren Köpfen passieren? Hast das Gefühl, nicht mitreden zu können? Du möchtest Gesellschaft mitgestalten? Gesellschaftspolitisches Engagement ist für viele in den verschiedensten Angelegenheiten eine Herzensangelegenheit. Vielleicht findet der ein oder die andere in den nächsten Zeilen die Inspiration, sich für die Zukunft aller einzusetzen:  im Zeichen des Klimaschutzes.

Es geht doch schon lange nicht mehr darum, zu beweisen, dass der menschengemachte Klimawandel existiert. Es geht darum, aus wissenschaftlich längst anerkannten Fakten Taten werden zu lassen. Das Allgemeinwohl muss über dem Profit- und Eigeninteresse des Establishments stehen. Wie werden also endlich die Maßnahmen gesetzt, die notwendig sind um einen Ausweg aus der Klimakrise zu finden? Die wissenschaftliche Grundlage für die nötigen Schritte liegt bereits seit Jahren offen. Trotzdem kommt die Politik erst jetzt, als die Uhr fünf vor Zwölf schlägt, langsam ins Handeln.

Dass nun endlich Maßnahmen ergriffen werden, hat nichts mit einer neuen bahnbrechenden Erkenntnis zu tun, die der Klimakrise endlich die nötige Ernsthaftigkeit verleiht. Die hatte sie bereits zuvor. Was sich geändert hatte, war der Druck aus der Bevölkerung auf die Politik. Organisationen wie FridaysforFuture ließen eine Bewegung entstehen, wodurch weltweit für das Klima auf die Straße gegangen wurde. Engagement für den Klimaschutz kennt eine Menge Möglichkeiten. FridaysForFuture, Extinction Rebellion und ähnliche Organisationen veranstalten Demonstrationen und andere Events. Auf Instagram und Facebook kann man ihre Aktivitäten verfolgen, außerdem machen sie so regelmäßig auf andere Veranstaltungen, Talks, etc. aufmerksam. Vor allem Extinction Rebellion ruft immer wieder zu zivilem Ungehorsam auf. 

Ziviler Ungehorsam ist laut nach der Definition von Henry David Thoreau „die moralische Verpflichtung, Gesetze zu verletzen, wenn ein gewisses Maß überschritten wird – also, sobald der Einzelne dadurch anderen Ungerechtigkeit zufügt.“1 Man könnte also sagen, im Handlungsspielraum des Rechts liegen nicht immer alle nötigen Maßnahmen, die ergriffen werden müssen. Das Recht ist nur ein Versuch zu definieren, was „gut“ ist und was nicht, denn Wertevorstellungen des Menschen unterliegen einem stetigen Wandel. Deshalb sollten aktuelle Gesetze auch laut auf der Straße in Frage gestellt werden dürfen.

Warum fühlt sich die Politik eigentlich durch zivilgesellschaftlichen Aktivismus aufgefordert zu handeln? Wo sieht sie die Bedrohung darin und was bewirkt ein Protest wirklich? Politik lebt von der Bestätigung aus der Bevölkerung. Somit werden Entscheidungen gefällt, mit der Erwartungshaltung, Beliebtheit zu generieren. Vor zwei Jahren hätte es eine Schlagzeile rund um die Klimadebatte wahrscheinlich nicht  auf die Titelseite einer Zeitung geschafft, währenddessen dies heute nichts außergewöhnliches mehr ist. Die Aufmerksamkeit, die Aktivismus generiert, schlägt sich somit auch auf die Medieninhalte nieder. Hier wiederum lässt sich ein Link zum sogenannten „Agenda Setting“ setzen: „Agenda Setting“ bezeichnet das Setzen konkreter Themenschwerpunkte. Politische Akteure bestimmen somit nicht nur wie der Ausgang einer Debatte aussieht, sondern auch worüber überhaupt diskutiert wird, welche Themen sozusagen überhaupt einen Punkt auf der Agenda Wert sind.2   Medien formen dieses Bild mit, sie haben die Kraft, unsere Gedankenwelt zu formieren. Medien werden somit zu Recht oft als die vierte Macht – neben der Legislative, Judikative und Exekutive – bezeichnet. Die mediale Präsenz der Klimakrise wurde durch zivile Organisationen stark gepusht. 2019 verzeichnet laut APA mit dem Stichtag 24. September 5587 Beiträge zum Thema Klimawandel – das entspricht fast dem Doppelten des Vorjahres 2018.

Ziviles Engagement wirkt sich nicht nur positiv auf gesellschaftspolitische Entwicklungen aus, sondern auch auf dich selbst. Sich für eine Herzensangelegenheit einzusetzen, kann unglaublich motivierend und befriedigend sein. Die Überwindung, ins Tun zu kommen kann manchmal groß sein, aber was bringt es, negative Entwicklungen auf der Couch mitzuverfolgen? Volunteering basiert auf komplett freiwilliger Basis, wodurch du keine Verpflichtungen eingehst und dich je nach Motivation und Zeit beteiligen kannst oder eben nicht. NGOs wie Greenpeace, oder Organisationen wie wir als Klimareporter.in bieten die Möglichkeit, sich freiwillig zu engagieren, aber auch kleine Vereine, bieten dafür eine Plattform.

Dieses von der Jugend wiederentdeckte politische Engagement erntet aber auch Kritik, wird nicht erst genommen oder für den falschen Zugang gehalten. Paradoxerweise wird der Jugend aber auch Politikverdrossenheit vorgeworfen. In einer Umfrage (Standard) zu zivilgesellschaftlichem Engagement sei aber ein beträchtlicher Teil zu zivilgesellschaftlichem Engagement bereit oder hat sich bereits engagiert. Dazu abschließende Worte des SPÖ Wiener Bildungsstadtrats Jürgen Czernohorszky, welcher im Standard zitiert wurde: “Wir müssen auf diese jungen Menschen stolz sein. Der Jugend werden immer Narzissmus und gesellschaftliches Desinteresse vorgeworfen. Offensichtlich ist das Gegenteil der Fall.” 3

1 https://www.addendum.org/staat/ziviler-ungehorsam/

2 https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-531-91158-8_40

3 https://www.derstandard.at/story/2000099204019/die-schueler-die-fuer-das-klima-streiken