Lebensmittelverschwendung in Österreich – Was tut’s dem Klima und was kann ich tun?

Wer heutzutage saisonale und regionale Produkte kauft, hat häufig den eigenen Einfluss auf die Umwelt im Sinn. Man kommuniziert, dass man weite Transportwege nicht unterstützt und damit das Klima schonen möchte. Auch der Griff zu Bio-Lebensmitteln ist in den letzten Jahren häufiger geworden und hat den Nahrungsmittelmarkt verändert. Biologische Produkte sind in der Regel ressourcenschonender und weniger belastend für die Natur. Im Jahr 2019 ist der Umsatz von biologischen Lebensmitteln auf 2 Milliarden Euro herangewachsen und es werden stetig mehr Produkte in Bioqualität angeboten. Aber was ist eigentlich mit dem bereits aufgebrochenen Joghurt von vor drei Wochen und dem verwelkten Salatkopf ganz hinten in der Gemüselade des Kühlschranks? Einfach weg damit und guten Gewissens für frischen Nachschub sorgen? 

Wichtige Fakten zu Lebensmittelabfällen in Österreich

Der Begriff „Lebensmittelabfall“ bezeichnet alle Produkte, welche für den menschlichen Verzehr produziert wurden, aber letztendlich nicht vom Menschen konsumiert worden sind. Dabei unterscheidet man zwischen „nicht vermeidbaren Lebensmittelabfällen“ und „vermeidbaren Lebensmittelabfällen“. Unter den ersteren versteht man Abfälle, welche bei der Zubereitung eines Produktes oder Gerichts entfernt werden z.B. eine Bananenschale. Vermeidbare Lebensmittelabfälle sind Nahrungsmittel, die entsorgt wurden, aber noch genießbar gewesen wären oder bei rechtzeitiger Verwendung uneingeschränkt verzehrt werden hätten können.

Drei Viertel der Österreicher*innen halten Lebensmittelverschwendung für ein wichtiges Thema. Trotzdem landen jedes Jahr 1 Million Tonnen Nahrungsmittel bei uns im Mist. Dieser Lebensmittelabfall führt zu bis zu 16% der Emissionen der gesamten Lebensmittelkette. Auch die Ressourcen, welche zur Produktion jener entsorgten Lebensmittel benötigt wurden, sind damit verschwendet. Es lässt sich also schlussfolgern, dass entlang der ganzen Wertschöpfungskette, begonnen bei der Landwirtschaft und Produktion, über den Handel, die Gastronomie bis hin zu den privaten Haushalten, Handlungsbedarf besteht.

Es ist die Politik, die handeln muss. Die Österreichische Regierung hat sich im Rahmen der UN-Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals) zur Halbierung der vermeidbaren Lebensmittelabfälle in Haushalten und auf Handelsebene bis 2030 verpflichtet. Ablaufen soll das so: Im Jahr 2020 werden die nationalen Nahrungsmittelabfälle in der gesamten EU standardisiert gemessen. Bis 2022 sollen die Ergebnisse der EU präsentiert werden und daraus sollen vergleichbare Ausgangswerte für alle Mitglieder hervorgehen. Veröffentlicht werden sollen diese dann 2023. Das ermöglicht es den UN-Mitgliedsstaaten, über konkrete Vorgehensweisen zu beraten, um Lebensmittelabfälle bis 2030 um 50% zu reduzieren.

Mit den politischen Zielen im Hinterkopf und bereit diese einzufordern, sollte man natürlich nicht vergessen, sich auch selbst an der Nase zu nehmen. Eine 2015 vom WWF veröffentlichte Studie hat sich mit dem Nahrungsmittelkonsum in Österreich beschäftigt. Im Durchschnitt entspricht dieser einem jährlichen CO2-Ausstoß von 2.600 – 2.800 kg pro Person, das ist vergleichbar mit einer Autofahrt von Wien nach Peking. Besonders ins Gewicht fallen in diesem Kontext Fleisch und Milchprodukte, was den achtsamen Umgang mit diesen Lebensmitteln umso mehr unterstreicht. 11% der vermeidbaren Lebensmittelabfälle in Österreich gehen auf Fleisch, Wurstwaren und Fisch zurück, weitere 12% auf Milch, Eier und Käse.

(Abb. 1. „Was im Müll landet“ WWF, Teller statt Tonne, S. 3)

Aktuelle Zahlen zeigen, dass ungefähr die Hälfte der in Österreich produzierten vermeidbaren Lebensmittelabfälle aus privaten Haushalten stammen. Das sind durchschnittlich 133 kg Lebensmittel und damit ein Verlust von 250€ bis 800€ pro Haushalt im Jahr. Profitieren würde also nicht nur die Umwelt von einem gewissenhafteren Umgang mit unseren Nahrungsmitteln und Ressourcen, auch das eigene Portemonnaie dürfte sich freuen. 

Was kann ich tun um Lebensmittelabfälle zuhause zu minimieren?

Nicht vermeidbare Abfälle reduzieren
Natürlich hat der Handlungsspielraum hier seine Grenzen und niemand soll Zitronenkerne oder Kerngehäuse in seinen Frühstückssmoothie integrieren müssen, um seine persönliche Umweltbilanz aufzupolieren. Aber Möglichkeiten den Müll zu reduzieren, gibt es durchaus. Ein paar Ideen wären beispielsweise das Grün von Karotten oder Radieschen gemeinsam mit ein wenig Öl und Gewürzen zu einem schmackhaften Pesto zu mixen, den Brokkolistrunk zu schälen, klein zu schneiden und ihn ebenfalls ins Gericht hinzufügen oder auch Gemüse „regrown“ zu lassen. 

How to „regrow“:
1. Römersalat, Chinakohl, Frühlingszwiebeln und auch Lauch eignen sich sehr gut, um eine weitere Mahlzeit aus ihnen heraus zu kitzeln. Dafür kann man den oberen Teil des Gemüses nach Belieben verwenden, solang das untere Viertel heil bleibt.
2. Fürs „regrown“ platziert man seinen Gemüserest in einem nur leicht mit Wasser gefüllten Behälter, stellt ihn an ein möglichst helles Plätzchen und gibt ihm ein wenig Zeit.
3. Nach einigen Tagen sollte sich Wachstum bemerkbar machen. Möchte man noch mehr aus dem Gemüserest herausholen, kann man die sprießende Pflanze auch in ein wenig Erde einsetzten und weiterwachsen lassen. 
4. Regelmäßig Wasser wechseln nicht vergessen! Das 2-3 Tage alte Wasser des Gemüserestes kann man anschließend zum Wässern von Topfpflanzen verwenden. 


(Abb. 2. und 3., „Regrow-Versuch“, links nach 2 Tagen und rechts nach 7 Tagen im Wasser)

Vermeidbare Abfälle reduzieren
Um zukünftige Lebensmittelabfälle beim Einkauf erst gar nicht mitzunehmen, ist Planung ungemein hilfreich. Wer einen Überblick darüber hat, welche Nahrungsmittel im Haushalt bereits vorhanden sind und ergänzend dazu eine Einkaufsliste schreibt, konsumiert bereits bewusster. Jedoch wird auch häufig angegeben, dass Unsicherheit bezüglich des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) von Lebensmitteln besteht, wenn man nach den Gründen von vermeidbaren Nahrungsmittelabfällen in Haushalten sucht. Das MHD ist laut gesetzlicher Definition lediglich jener Zeitpunkt, bis zu welchem der Hersteller verspricht, dass das Produkt bei verschlossener Verpackung und richtiger Lagerung, bestimmte Eigenschaften (Konsistenz, Aussehen, Geschmack) behält. Lebensmittel sind somit häufig auch nach dem Ablauf des MHD noch genießbar. Trotzdem sollte man sie genau überprüfen, bevor man sie verspeist. Wirklich wichtig zu beachten ist das Verbrauchsdatum von Nahrungsmitteln. Dieses steht mit dem tatsächlichen Verderb von Lebensmitteln in Verbindung und wird bei schnell verderblichen Lebensmitteln (frisches Fleisch, Innereien, Knochen, Rohmilch) angegeben. 

Damit die gekauften Nahrungsmittel möglichst lange in einem genießbaren Zustand sind, ist auch die richtige Lagerung entscheidend. Gerade Obst und Gemüse, welche häufig als Lebensmittelabfall enden (siehe Abb. 1), werden nicht ideal gelagert. Hilfreich dabei ist eventuell ein Blick auf den Lagerkreis (siehe Abb. 4). Er zeigt auf, bei welcher Temperatur die Lebensmittel gelagert werden sollten, ob sie eingefroren werden können (Schneeflockensymbol) und ob sie Ethylen absondern (Wellensymbol). Ethylen ist ein Reifegas. Ist dieses im Obst vorhanden, kann jenes Ethylen haltige Obst, bestimmte Früchte und Gemüsesorten, welche neben ihm gelagert werden, schneller reifen und auch verderben lassen.   

(Abb. 4, „Lagerkreis“ WWF, Teller statt Tonne, Lebensmittelabfälle in österreichischen Haushalten, S.11)

Sollten Zeitmangel und Ideenlosigkeit dazu führen, dass Lebensmittel nicht mehr rechtzeitig verwendet werden, zeigt die Technologie von heute neue Möglichkeiten auf:

  • App: Beste Reste(Deutsches Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) Man wählt drei Zutaten, die man gerade zuhause hat – und bekommt dann geeignete Rezepte vorgeschlagen. 
  • Beste Restl-Rezepte (Österreichisches Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft) Eine Sammlung der „besten Restl-Rezepte“ als PDF oder auf der Homepage.
  • App: TooGoodToGo: Ideal, wenn Zeitmangel das Problem ist. Mit der App „TooGoodToGo“ kann man Speisen kurz vor Ladenschluss online reservieren und auf dem Heimweg aus dem Restaurant abholen. Damit werden gleichzeitig Lebensmittel vor dem Entsorgen gerettet und man hat eine hoffentlich wohlschmeckende, günstige Mahlzeit ohne viel Zeitaufwand ergattert.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Lebensmittelverschwendung im Haushalt oft nicht nötig und vor allem vermeidbar ist. Mit dem richtigen Wissen kann man dafür sorgen, dass weniger Nahrungsmittel im Mist landen und auch ausprobieren kreativ mit Lebensmitteln umzugehen. Das schont Ressourcen und letztendlich auch die Umwelt. 

Quellen und weiterführende Links:

Liesbeth de Schutter, Martin Bruckner und Stefan Giljum (2015), Achtung: Heiß und Fettig – Klima & Ernährung in Österreich, Wien (Österreich), 72 Seiten

WWF–WRAP (2020) Halbierung von Lebensmittelverlusten und -verschwendung in der EU bis 2030: die wichtigsten Maßnahmen für schnelleren Fortschritt, Berlin (Deutschland), 78 Seiten

Gudrun Obersteiner und Sandra Luck (2020) Teller statt Tonne, Lebensmittelabfälle in österreichischen Haushalten, Status Quo, Wien (Österreich), 31 Seiten

Bio wächst weiter: https://www.bmlrt.gv.at/land/bio-lw/zahlen-fakten/Bio-waechst-weiter.html

Nachhaltige Agenda, UN Nachhaltigkeitsziele: https://www.bundeskanzleramt.gv.at/themen/nachhaltige-entwicklung-agenda-2030.html

Die besten Restl-Rezepte: https://www.bmlrt.gv.at/land/lebensmittel/kostbare_lebensmittel/restl-rezepte.html

App “TooGoodToGo”: https://toogoodtogo.at/de-at

App “Beste Reste”: https://www.zugutfuerdietonne.de/beste-reste/die-beste-reste-app/

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