Zwischen Frust und Hoffnung: Engagement von Jugendlichen auf der 22. Klimakonferenz

Side-event zum Thema: What would youth do?

„Wir, die jüngere Generation, werden am meisten von den Entscheidungen betroffen sein, die auf der Klimakonferenz gefällt werden, also lasst uns mitreden!“, das war der allgemeine Tenor des Sideevents „What would youth do?“ in dem junge KlimaaktivistInnen ihre Erwartungen an die COP22 ausdrückten.

Das Side-Event war recht klein, es befanden sich ca. 20 junge Menschen in dem Pavillion der „Nordic Cooperation“, in dem gleichzeitig Reparaturarbeiten stattfanden: Während die Tür noch montiert wurde, stellten sich die fünf VertreterInnen verschiedener Jugend-Umwelt-Initiativen vor. Das Panel könnte internationaler kaum sein: VertreterInnen aus Brasilien, Schweden, Taiwan, Indien und Mauritius formten die Diskussionsrunde, um die Probleme junger KlimaaktivistInnen aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln zu beleuchten.

Während die meisten Staaten, Unternehmen und NGOs eigene Pavillions, also reichlich Präsentationsfläche und Raum zur Organisation zur Verfügung stehen, läuft bei der Jugend alles ein bisschen dezentraler, spontaner und bisweilen chaotischer ab.

YOUNGOs beim Vorbereiten einer Podiumsdiskussion über Generationengerechtigkeit

Die einzige recht zentrale Plattform, auf der sich fast alles, was jung ist und an der COP teilnimmt, trifft, nennt sich YOUNGO. Aus dem YouthClimateMovement entstanden und dann als „YOUNGO“ bei der UN konstituiert, organisiert diese Gruppe von Menschen die COYs, kämpft für die verstärkte Einbindung von Jugendlichen an Klimakonferenzen und vertritt Jugendliche aus aller Welt mit ihren Forderungen und Positionspapieren.

Doch zurück zum Event: „Keep it in the ground“ fordert Isabel Hagen von PUSH Sweden, 80 % der fossilen Energieträger sollen in der Erde bleiben. Denn um die angestrebten 1,5°C, oder auch nur das verbindliche 2°C-Ziel zu erreichen, müsse ein Großteil der bekannten fossilen Energievorkommen im Boden bleiben. Nicht bei allen Themen stimmen die Fünf überein, aber das sehen sie nicht als Problem. Sie wollen ihre Vielfalt beibehalten und durch ihre Diversität stark werden: Einheit durch Vielfalt, Respekt für unterschiedliche Meinungen.

In einem Punkt sind sich jedoch alle einig: Die Politik solle endlich auf uns Jugendliche hören, schließlich müssen wir die Entscheidungen am Ende ausbaden. In der wiederholten Forderung, endlich ernst genommen zu werden, schwingt ein wenig Frust mit: Manche sind schon seit Jahren auf Weltklimagipfeln und dementsprechend zynisch sind einige ihrer Kommentare. Das Gefühl der Ohnmacht überkomme einen leicht, wenn der Prozess zu kompliziert und die Erfolge unwesentlich scheinen, so eine der Rednerinnen über ihre eigenen Erfahrungen mit Klimakonferenzen.

Zum Teil weitet sich die Kritik auch auf die Weltklimakonferenz an sich aus: Beatriz Azevedo de Araujo aus Brasilien beklagt, dass sie manchmal die Hoffnung verliere, auf Konferenzen überhaupt etwas bewegen zu können. „Wie ernst kann man die Weltklimakonferenz nehmen, wenn die Leute mit dem Flugzeug anreisen und aus Plastikflaschen trinken?“ fragt sie und zweifelt auch an ihrer eigenen politischen Arbeit.

Beatriz Azevedo de Araujo, Timothy Damon

Timothy Damon von YOUNGO meint, er sei in den letzten 5 Jahren mit jeder COP zynischer geworden, aber auch immer idealistischer. Und mit diesem letzten Rest Idealismus, einer gewissen Frustrationstoleranz und einer Menge Selbstironie habe YOUNGO es geschafft, doch die eine oder andere Forderung durchzubringen: Zum Beispiel die Generationengerechtigkeit, die auf Drängen der engagierten JugendvertreterInnen im Paris Agreement verankert wurde. Auch der Warschauer Mechanismus über „Loss and Damage“ oder das Thema Klimagerechtigkeit, die Eingang in das Pariser Abkommen gefunden haben, waren unter anderem Forderungen von jungen Klimaaktivisten. Nun, der Forderung nach einem eigenen Pavillion für YOUNGO wurde noch nicht Rechnung getragen.

Die größte Motivation sind jedoch die Kontakte zu gleichgesinnten Jugendlichen, ein Netzwerk an MitstreiterInnen: „The most valuable thing ist the relationships we built, not if we got that little text or not“ (Timothy Damon)

YOUNGO: https://youthclimatemovement.wordpress.com