Gender and Climate Change auf der COP25

Ein Punkt auf der Agenda der COP25 dieses Jahr war Gender and Climate Change. Wie hängen diese beiden zusammen? Warum muss Gender auf der Tagesordnung einer Klimakonferenz stehen? Und worüber wurde zwei Wochen lang verhandelt?

Welcher Zusammenhang?

Geschlecht und die Klimakrise hängen insofern zusammen, dass Frauen anders und vielfach stärker von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind. Das kann sich anhand von ganz simplen Beispielen äußern, etwa dass in vielen Ländern, speziell mit traditioneller Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern, Frauen für das Wasserholen zuständig sind. Sind nun weniger Wasserquellen vorhanden, beispielsweise aufgrund von Hitze, müssen Frauen weitere Strecken zurücklegen um ihre Familie mit Wasser zu versorgen. Ein weiteres Beispiel ist, dass in vielen Ländern, in denen vermehrt Männer berufstätig sind und Frauen zuhause bleiben, nur Männer ein Smartphone besitzen. Kommt es nun zu einer Naturkatastrophe, sind Männer mit einem Handy und einer Internetverbindung vielfach besser informiert und geschützt. Die Liste an Beispielen könnte man endlos fortsetzen.

Gender auf der Klimakonferenz?

Weil Geschlecht eben im Zusammenhang mit der Klimakrise nicht weggedacht werden kann, muss Gender auch in UN-Prozessen, die gegen den Klimawandel angehen sollen, Aufmerksamkeit zukommen. Auf der COP22 in Marrakesch wurde im Zuge des Lima Work Programme on Gender beschlossen, den Gender Action Plan, kurz GAP, zu erstellen. Der GAP soll sicherstellen, dass Gender in UNFCCC (UN-Klimarahmenkonvention)-Prozessen beachtet wird und eine Einbindung von Frauen in den Entscheidungsprozess stattfindet. In UN-Worten geht es hier um Implementation bei der Umsetzung bereits beschlossener Entscheidungen wie zB das Pariser Klimaabkommen müssen Frauen beteiligt sein. Die Strategie dabei ist, Gender Mainstreaming zu betreiben. 

Gender Mainstreaming: Anders als traditionelle Frauenpolitik, die überwiegend korrektiv wirkt und lediglich versucht, bereits bestehenden Ungleichheiten entgegenzuwirken, ist Gender Mainstreaming eine umfassende, präventiv wirkende Strategie, bei der Geschlecht bei allen Entscheidungen auf allen Ebenen berücksichtigt wird.

Im GAP enthalten sind fünf Prioritäten, die zur Erreichung der gesteckten Ziele führen sollen.

  1. Capacity-building, knowledge-sharing and communication: Es soll Bewusstsein geschaffen werden und bestehendes Wissen weitergegeben werden. Besonders wichtig ist hier der Begriff des Capacity Building – Frauen sollen Werkzeuge zur Verfügung gestellt werden, die Empowerment und Selbstbestimmung ermöglichen.
  2. Gender balance, participation and women’s leadership: Frauen sollen in UNFCCC-Prozessen umfassend, gleichwertig und sinnvoll eingebunden sein.
  3. Coherence: Sowohl UNFCCC Gremien, das Sekretariat, andere Instanzen als auch Interessenvertreter rund um die Arbeit der Klimarahmenkonvention sollen in ihrer Arbeit Gender gesamtheitlich beachten und konsistent in der Umsetzung des GAP vorgehen.
  4. Gender-responsive implementation and means of implementation: In der Umsetzung des Paris Agreement und bei der Arbeit der Klimarahmenkonvention soll die Gleichstellung der Geschlechter und die Stärkung von Frauen respektiert, gefördert und beachtet werden.
  5. Monitoring and reporting: Diese formulierten Ziele und Absichten sollen verfolgt und kontrolliert werden.

Worüber wurde auf der COP25 verhandelt?

Bei der Erstellung des GAP und des Lima Work Programmes wurde festgehalten, dass beide nach drei Jahren überarbeitet und erneuert werden sollen. Dieses Jahr auf der COP25 sollte also bisher Umgesetztes evaluiert und Verbesserungsbedarf ausgemacht werden. Von allen Agenda-Punkten, die dieses Jahr verhandelt wurden, erwartete man sich hier das solideste Ergebnis. Im Vergleich zu beispielsweise Loss and Damage (Verluste und Schäden) oder den Marktmechanismen in Artikel 6 ist Gender and Climate Change ein weniger politisches oder heikles Thema, bei dem davon ausgegangen wird, dass ein gemeinsamer Grundkonsens herrscht. Allerdings zogen sich auch hier die Verhandlungen und es gab Uneinigkeiten, wo zuerst gar keine erwartet wurden. Ein Streitpunkt waren beispielsweise die Anerkennung der allgemeinen Menschenrechte in der Einleitung des Dokuments. Blockiert haben hier zunächst die Arabische und die Afrikanische Gruppe. Die Arabische Gruppe wollte diese anfangs gar nicht erwähnt haben, die Afrikanische Gruppe nur “under circumstances”, also dass die Einhaltung der Menschenrechte von den Umständen eines Landes abhängig ist. Ein weiterer Streitpunkt war, wie so oft auf der COP, Finance. Lange wurde diskutiert, inwieweit der GAP überhaupt berechtigt sei, über das Thema zu verhandeln und ob das nicht anderen Themen unterliegt.

Der GAP hätte fertig ausgearbeitet sein sollen am Ende der ersten Woche, am Samstag um 18 Uhr. Weil aber per se keine Einigung zustande kam, ging er in die zweite Woche, die politische Minister- und Minsterinnenebene über. Auch da dauerten die Verhandlungen länger als geplant und als der fertige Entwurf für den neuen GAP schließlich am Donnerstag der zweiten Woche um knapp 18 Uhr einstimmig angenommen wurde, fielen sich Verhandler und Verhandlerinnen im Raum um den Hals. Angenommen wurde er mit folgender Formulierung bezüglich der Menschenrechte:

“Acknowledging that climate change is a common concern of humankind, Parties should, when taking action to address climate change, respect, promote and consider their respective obligations on human rights, the right to health, the rights of indigenous peoples, local communities, migrants, children, persons with disabilities and people in vulnerable situations and the right to development, as well as gender equality, empowerment of women and intergenerational equity”

Es ist dieselbe Formulierung, die auch schon in der Einleitung des Pariser Klimaabkommen zu finden ist.

Ist das die Lösung?

Zugegeben, der GAP und das Lima Work Programme beschäftigen sich nur mit Gender innerhalb der UNFCCC-Prozesse. Die anfangs genannten Probleme, von Frauen, die weite Strecken zurücklegen um Wasser zu holen oder über kein Smartphone besitzen, werden damit nicht gelöst, zumindest nicht direkt. Trotzdem ist der Einfluss des GAP und des Lima Work Programmes nicht zu unterschätzen. Wie würden wir erst dastehen, gäbe es beides nicht und es wäre nicht mal eine Bemühung um einen geschlechtergerechten Prozess sichergestellt? Die in den Dokumenten festgehaltenen Ziele und Vorhaben schaffen konkrete Probleme nicht direkt aus der Welt, aber sie schaffen Bewusstsein für Geschlechterungleichheiten und – in weiterer Folge – wenn überall, in jedem Prozess, Frauen gehört, eingebunden und beachtet werden, würden wir wohl ganz woanders stehen.

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