Green Christmas: Last-Minute Guide für nachhaltige Weihnachten

Green Christmas: Last-Minute Guide für nachhaltige Weihnachten

Ist Geschenkpapier tatsächlich aus Papier? Wie nachhaltig sind Weihnachtskugeln? Sollte man Weihnachten noch unter der mühsam nach Hause getragenen Nordmanntanne feiern und inwiefern ist das Fest der Liebe ein Fest der Verschwendung? Mit unserem Guide für nachhaltige Weihnachten zeigen wir, wie aus (leider oft nicht) weißen Weihnachten zumindest grünere Weihnachten werden.

24. Dezember 2020. Noch sieben Tage dann beginnt das neue Jahr. Aus dem besinnlichen Zusammensitzen wird ein Rückblick auf die vergangenen 12 Monate und auf umso mehr vergangene Momente. Das satte Grün des Weihnachtsbaums wird von Kerzen und Lichterketten erleuchtet und spiegelt sich in glänzenden Weihnachtskugeln. Eine Mischung aus Glück, Unbekümmertheit und dankbarer Wehmut liegt in der Luft. Bald ist es Zeit, die Geschenke aus ihren schimmernden Verpackungen zu befreien. Doch wie unbekümmert ist die weihnachtliche Idylle in Hinblick auf die Umwelt und welche nachhaltigen Alternativen gibt es?

Aus Geschenkpapier wird Geschenktuch

Viele Geschenkpapiere bestehen tatsächlich aus Papier. Somit können sie nach dem Gebrauch zu neuen Papierprodukten recycelt werden. Doch insbesondere folierte, stark glänzende und glitzernde Verpackungen sind oft aus Plastik. Den Unterschied macht die Beschichtung und dies zeigt sich durch eine Reiß-Probe: beschichtete Papiere weisen an der Riss-Stelle häufig eine dünne Folie auf, un-beschichtete Papiere aber zeigen Fasern.

„Furoshiki“ gilt als Schlagwort, um Geschenke nachhaltig zu verpacken. Japanisch für „Badetuch“ oder „Tragetuch“, werden die Tücher durch eine bestimmte Falt- und Wickeltechnik mittlerweile nicht mehr nur in Japan genutzt, um Gegenstände zu transportieren und zu verpacken. Für ein rechteckiges Geschenk, legt man dieses in die Mitte des Tuches und bindet nacheinander die gegenüberliegenden Tuchecken zusammen. Den Knoten kann man anschließend noch schön zurechtzupfen. Die in Tücher verpackten Geschenke sind nicht nur schön, sie sparen auch Klebeband. Neben den vielseitigen Möglichkeiten Geschenke kunstvoll in Baumwoll-, Leinentücher und Schals zu wickeln, bieten sich auch altes Zeitungspapier und bunte Magazinseiten als dekorative Verpackungsalternative an (siehe auch Verpackungsideen auf dem klimareporter.in Instagram-Kanal). Mit gewisser Vorsicht lässt sich jedoch auch das vorsichtig geöffnete Geschenkpapier von letztem Jahr erneut benutzen.

© Spoonflower Deutschland (Youtube)

Auch wer gerne farbige Bänder um seine Geschenke wickelt, sollte dabei auf die handelsüblichen schimmernden Bänder verzichten, denn auch diese sind oftmals aus beschichtetem Polypropylen und Polyethylen hergestellt – Kunststoff, der beim langwierigen Abbau das Treibhausgas Methan freisetzt. Wer dennoch gerne seine Geschenkpackungen verziert, kann dabei beispielsweise auf Garn, Trockenblumen und -pflanzen oder getrocknete Orangenscheiben zurückgreifen.

Aus Weihnachtskugel wird Orangenscheibe

Die Familie drängt sich vor dem Baum für ein Weihnachtsfoto zusammen – ein Arm zum Auslöser, ein Arm um die Schulter und „Klirr“ – die nächste Weihnachtskugel fällt und zerbirst zwischen den Geschenken in schillernde Glasscherben. 

Ein Szenario, welches im Corona-Jahr 2020 nicht nur aufgrund der beschränkten Zusammenkünfte unrealistisch erscheint. Immer mehr Personen und Hersteller greifen auf Kugeln aus Kunststoff (häufig PVC) zurück, die nicht nur einen Sturz vom Weihnachtsbaum eher überleben, sondern Glas- oder Keramikkugeln aus Handarbeit auch in puncto massentauglicher Herstellung überbieten. Neben dem Verzicht auf Plastikkugeln aus Massenproduktion, ist auch der Verzicht auf Lametta denkbar, das häufig aus Kunststofffolie oder auch Aluminium hergestellt wird – wobei die Herstellung von Aluminium durch chemische Abfälle und Urwald-Rodung eine enorme Belastung für Natur und Umwelt darstellt. Alternativ bieten sich Magazin- und Zeitungspapierstreifen oder bunte Fäden an.

Zwar keine Kugel, aber dennoch rund: die Orangenscheibe. In Scheiben geschnitten und getrocknet riecht die Frucht nicht nur angenehm, sie bietet sich auch als dekorativer Weihnachtsschmuck an. Ebenso zeigen sich Zimtstangen als charmante Baumdekoration. Zu Sternen gebastelt oder einzeln, trägt auch ihr Duft zur Weihnachtsstimmung bei. Um die wohlriechende Dekoration am Weihnachtsbaum zu befestigen, wird nicht mehr als ein Faden benötigt. Doch auch kleine persönliche Gegenstände oder Trockenblumen schmücken den Baum und verleihen ihm individuellen Charme. Auch bei der Beleuchtung des Baumes kann auf Nachhaltigkeit geachtet werden. Statt strom-verbrauchenden Lichterketten und Kerzen, die schädliches Paraffin enthalten, können auch Bienen- oder Sojawachskerzen weihnachtliches Licht verbreiten.

Aus gefälltem Baum wird geliehener Baum

Laut österreichischer Umweltberatung kaufen jährlich etwa 2,5 Millionen Österreicher*innen einen Weihnachtsbaum. Nachdem diese für einige Tage oder Wochen die Wohnzimmer der weihnachts-feiernden Bevölkerung schmücken, werden sie erneut in Massen entsorgt. In Deutschland werden laut Statista immerhin fast 30 Millionen Bäume gefällt und verkauft. Zudem seien rund 2 Millionen dieser Bäume Importware – die beliebte Nordmanntanne etwa, kommt vornehmlich aus dem Kaukasusgebiet.

Wer im nächsten Jahr auf umweltfreundlichere Baumalternativen umsteigen möchte, kann zuallererst die Möglichkeit nutzen, einen heimischen Weihnachtsbaum oder sogar einen Bio-Weihnachtsbaum zu kaufen. Bei diesen wird im Unterschied zu Weihnachtsbäumen aus (ausländischen) Christbaumkulturen, unter anderem auf chemische Schädlingsbekämpfung verzichtet und es werden Transportwege gespart.

Zudem besteht auch in Österreich die Möglichkeit eingetopfte Weihnachtsbäume zu leihen und diese nach den Festtagen zurückzubringen oder abholen zu lassen. Die gemieteten Bäume werden nach den Festtagen wieder eingepflanzt und sind somit wiederverwendbar. Gemietet werden kann in Österreich über Online-Anbieter oder direkt von Gärtnereien, die dieses Angebot ermöglichen. Jedoch sind klimatechnisch auch hier Transportwege für Lieferung und erneute Abholung zu bedenken.

Für experimentier- und bastelfreudige Weihnachtsliebhaber*innen bietet sich auch die eigene Zimmerpflanze als Gewächs an, das dekoriert und verziert werden kann – von Christmas-Kaktus bis Weihnachtspalme sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Alternativ gilt auch zu Weihnachten das Motto „do it yourself“ und mit ein wenig Geschick kann auch aus aufeinander-geschichteten Holzleisten ein individueller Weihnachtsbaum gezimmert werden.

Aus Konsumfest wird Fest der Nächstenliebe

Laut Statistik-Austria lebten im Jahr 2019 nach Definition der Europa 2020-Strategie circa 17%, also in etwa 1.472.000 armuts- oder ausgrenzungsgefährdete Menschen in Österreich. Das Weihnachtsfest wird wiederum immer deutlicher ein Fest des Konsums: etwa 2 Milliarden Euro Umsatz jährlich bringen die Weihnachts-Feierlichkeiten laut Statista in Österreich ein. Zudem fallen im Vergleich zum Rest des Jahres rund 20% mehr Müll an, von der Lebensmittelverschwendung ganz zu schweigen. Weihnachten wird somit oft ein elitäres Phänomen. Aus einem Berg an Geschenken sind einige schon nach kurzer Zeit uninteressant, gefallen nicht oder werden erneut verpackt zurückgeschickt – auch so summieren sich Abfallmengen rund um die Festtage.

Eine Alternative im Geiste der Weihnacht: Nächstenliebe schenken. Im eigenen Namen oder im Namen des/der Beschenkten zu spenden, ist nicht nur ein Geschenk der Menschlichkeit sondern auch ein Geschenk an Menschen und Organisationen, die Geld- oder Sachspenden dringender benötigen, als man selbst. Auch durch Freiwilligenarbeit und Ehrenamt wird Nächstenliebe neben einem persönlichen Geschenk zu einer persönlichen Bereicherung, mit Mehrwert für viele.

Für zunehmende Nachhaltigkeit bei der Geschenk-Wahl bieten sich auch der regionale Einkauf und der Einkauf abseits großer (Online-)Ketten an. Es werden damit Verpackungs- und Versandmaterial gespart und heimische Läden unterstützt. Auch geschenkte Zeit kommt ohne großartiges Verpackungsmaterial aus, aber entfaltet eine unersetzbare Wirkung für zwischenmenschliche Beziehungen. Wer dennoch gerne materielle Geschenke verpackt, setzt mit Selbstgemachtem und -gebackenem (siehe unser 1×1 des veganen Backens) sowie einem Fokus auf qualitative und lange einsetzbare Geschenke ein Zeichen für ein nachhaltiges Weihnachtsfest.

24. Dezember 2021. Noch sieben Tage dann beginnt das neue Jahr. Aus dem besinnlichen Zusammensitzen wird ein Rückblick auf die vergangenen 12 Monate und auf umso mehr vergangene Momente. Das satte Grün des eingetopften Weihnachtsbaums wird von Sojawachs-Kerzen erleuchtet und wirft Schatten der duftenden Orangenscheiben an die Wand. Eine Mischung aus Glück, Unbekümmertheit und dankbarer Wehmut liegt in der Luft. Bald ist es Zeit, um die Geschenke aufzuknoten und aus ihren schönen Stoffen zu wickeln. Auch dieses Jahr liegt kein Schnee, aber wenn aus weißen Weihnachten grüne werden, ist das nur mehr halb so schlimm.

Weitere Inspiration für grüne Weihnachten: unsere Tipps für ein nachhaltiges Weihnachtsfest aus dem Jahr 2019.