Silvesterfeuerwerk

Silvester: Böllern muss nicht sein

Vielerorts ist Pyrotechnik heuer verboten. Doch auch generell ist es keine schlechte Idee, das Böllern bleiben zu lassen. Den Mitmenschen und der Umwelt zuliebe.

Auch Silvester läuft dieses Jahr anders ab. Keine Partys, keine großen Feste. Manche feiern im kleinen Kreis, manche allein. Wie Weihnachten ist auch Silvester eine Tradition, die heuer anders ist, als man es sich ausgemalt hat. Vor allem eine Sache wird wegen Corona vielerorts verboten, um die Krankenhäuser in der Nacht auf Neujahr zu entlasten: Das Böllern.

Ausdrücklich verboten sind private Feuerwerke nicht. Doch immer mehr Gemeinden folgen dem Beispiel von Wien, wo private Raketen schon seit dem Vorjahr nicht mehr erlaubt sind. Andere Gemeinden verbieten privates Böllern komplett. In Deutschland beschlossen Bund und Länder am 13. Dezember, den Verkauf von Feuerwerkskörpern zu verbieten. Wer bereits Pyrotechnik gekauft und gelagert hat, darf diese auch nutzen. Allerdings nicht im öffentlichen Raum. Den meisten Menschen in Österreich scheinen diese Verbote nichts auszumachen. Eine aktuelle Studie von Marketagent zeigt, dass ein Drittel sogar ein komplettes Feuerwerksverbot befürwortet. In Deutschland befürworten laut YouGov 46% ein Verbot von Silvesterfeuerwerk.

Natürlich ist ein Feuerwerk schön anzusehen. Für Erwachsene und besonders für Kinder ist es ein großer Spaß, Knaller und Raketen zu zünden. Für viele gehört es einfach dazu. Früher diente das Feuerwerk dazu, böse Geister zu vertreiben, die das neue Jahr bedrohen. Im Corona-Jahr durchaus keine schlechte Idee. Doch der Spaß hat auch negative Seiten. Für Menschen genauso wie für die Umwelt.

Jährlich hunderte Verletzte, Feinstaub als Gesundheitsrisiko

Die Krankenhäuser zu entlasten ist einer der Gründe für die Verbote. Durchaus sinnvoll, denn jährlich verletzen sich einige hundert Menschen durch Feuerwerkskörper. Sie verbrennen sich die Hände, verletzen sich die Augen oder schädigen ihr Gehör. Laut gesundheit.co.at endet die Silvesternacht jährlich für 200 Kinder in der Notaufnahme. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) schätzt, dass pro Jahr rund 200 Menschen so schwer verletzt werden, dass sie im Krankenhaus landen.

Ein weiteres Gesundheitsproblem ist der Feinstaub, der durch das Böllern entsteht. Laut Schätzungen des deutschen Umweltbundesamts werden jährlich etwa 2.050 Tonnen Feinstaub durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern freigesetzt. Der Großteil an Silvester. Fachgebietsleiterin Ute Dauert betont laut dem Bayerischen Rundfunk, der 1. Januar sei Jahr für Jahr der Tag mit der höchsten Feinstaubkonzentration in Deutschland.

Ein-Stunden-Mittelwert der Feinstaubkonzentration in Deutschland. In der Nacht vom 31.12.2019 auf den 01.01.2020. Quelle: Deutsches Umweltbundesamt.

Wie gefährlich der Feinstaub für die Gesundheit ist, hängt von der aufgenommenen Menge ab. Als erwiesen gilt jedoch, dass er negative Effekte hat. Vor allem Menschen mit Vorerkrankungen der Lunge können an Silvester Probleme bekommen. Feinstaub besteht aus kleinsten Teilchen, die je nach Größe in Lunge, Bronchien oder Blutbahn eindringen können.

Abfälle belasten Umwelt, CO2-Emissionen hingegen gering

Knapp 10.000 Tonnen Feuerwerk verpulvern die Deutschen jährlich. Das belastet die Atmosphäre mit Treibhausgasen, deren Klimawirkung rund 2.300 Tonnen CO2 entspricht. Das ermittelte die Landwirtschaftliche Versicherungsanstalt Münster nach Angaben des Versicherungskonzerns Allianz. Eine Menge, die vernachlässigbar ist, aber dennoch existiert.

Für jeden am Neujahrstag sichtbar sind die Abfälle. Plastik-, Holz- und Pappteile liegen auf der Straße und hängen in Büschen. Am Bordsteinrand stehen leere Flaschen, aus denen Raketen gezündet wurden. Alleine in Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt fallen jährlich rund 200 Tonnen Silvester-Abfälle an, schreibt der Verband kommunaler Unternehmen in einer Pressemitteilung. Eigentlich sind die Verursacher*innen dafür verantwortlich, die Abfälle zu entsorgen. Wie man am Neujahrstag sieht, wird das aber oft nicht gemacht. Die Abfälle verschmutzen nicht nur das Stadtbild, sondern schädigen auch der Natur. So warnt der Verband davor, dass Chemikalien aus den Böllern durch den Regen oder durch Schmelzwasser weggespült werden und dadurch Böden und Gewässer verschmutzen.

Abfall auf der Straße am Neujahrstag.
Oft bleibt der Abfall vom Feiern einfach liegen. Quelle: Pixabay

Extreme Belastung für die Tierwelt

Generell verheißt Silvester für Tiere nichts Gutes. Das laute Knallen und die grellen Blitze am Nachthimmel bedeuten für sie puren Stress. Hunde und Katze mit ihrem empfindlichen Gehör kauern sich in ihre Verstecke. Kühe und Pferde flüchten oder werden panisch, in Ställen kommt es zu Verletzungen. Der Lärm reißt Wildtiere aus ihrer Winterruhe. Wenn sie daraufhin flüchten, vergeuden sie Energie, das ist lebensbedrohlich. Überreste von Feuerwerkskörpern halten sie oft für Nahrung. Vögel sind vom Lärm besonders betroffen. Aufgeschreckt fliehen sie in die Luft, teilweise bis zu 1.000 Meter hoch, wo sie gewöhnlich nicht hingelangen. Laut dem Naturschutzbund Deutschland berichten Ornithologen am Neujahrstag regelmäßig von Ruheplätzen, die fluchtartig verlassen wurden und Vogelschwärmen, die erkennbar verstört waren.

Welche Alternativen gibt es?

Wer trotzdem Böllern will, sollte im Anschluss zumindest seinen eigenen Abfall aufsammeln und korrekt entsorgen. Um andere Menschen nicht zu verletzen, ist auf die Sicherheit beim Böllern zu achten. Tipps dazu gibt es beim Kuratorium für Verkehrssicherheit. Wer zumindest auf Plastik verzichten möchte, für den gibt es mittlerweile sogar Öko-Feuerwerk. Die Firma Fire-Event in Hohenems bietet drei kunststofffreie Raketensortimente an. Das Interesse an der Öko-Variante ist riesig.

Wo Böllern verboten ist, werden längst Alternativen ausprobiert. Schon vor zwei Jahren, als Raketen und Knallkörper in China verboten wurden, gab es anlässlich des Neujahrsfests in Xi’an eine ganz besondere Lichtershow: Über tausend, mit LED-Lichtern ausgestattete Drohnen stiegen in die Luft und boten Zuschauer*innen ein Lichtspektakel. Auch die Gemeinde Klosters in der Schweiz ersetzte ihr Feuerwerk am Nationalfeiertag 2019 durch eine Lasershow.

Nicht jeder besitzt 1.000 Drohnen oder Ausrüstung für eine Lasershow. Doch auf übliche Knallkörper zu verzichten bedeutet nicht, gar keinen Spaß zu haben. Eine Möglichkeit ist, eine Feuertonne im Garten, ein sog. Schwedenfeuer zu entfachen. Wer möchte, kann Fackeln aus Harz oder Knallbonbons basteln.

Andere Ideen lassen einen eher schmunzeln: Die Stadt Köln schlug vor, die Menschen sollen einfach um 0.00 Uhr das Licht zuhause aus- und anknipsen. Fraglich ist, ob gerade das der Partykracher für Silvester 2020 wird.


Egal wie ihr feiert – passt auf euch, eure Mitmenschen und die Umwelt auf.
Wir von klimareporter.in wünschen ein frohes neues Jahr!